Toyota Prius Plug-in-Hybrid 2019 im Test: kabelgebundene Ungezwungenheit?

Der Toyota Prius ist seit gut 20 Jahren als hybrides Vorzeigemodell im Einsatz. Er ist schnittig, sauber, aber auch ein wenig langweilig – und aufgrund seines speziellen Getriebes nicht immer der Leiseste. Seit 2010 wird der Prius auf Wunsch alternativ von einem Plug-in-Hybrid-Motor angetrieben. Haucht er dem Mittelklassewagen mehr Spannung und Esprit ein? Die Antwort gibt unser Testbericht.

Inhalte des Testberichts zum Toyota Prius Plug-in-Hybrid:

  1. Zum Testbericht
  2. Technische Daten (als Tabelle)
  3. Konkurrenzmodelle
  4. Unser Fazit mit Sternebewertung

Prius PHEV: doppelte E-Unterstützung & große Reichweite

toyota-prius-plug-in-hybrid-2019-aussen2017 schlug Toyota das zweite Prius Plug-in-Hybrid-Kapitel auf: basierend auf dem Prius IV. Anders als die klassischen Hybrid-Varianten lässt sich der neue Prius PHEV wieder an der Steckdose oder einer Ladestation aufladen; im EV-Modus legt der neue fast 50 Kilometer vollelektrisch zurück – doppelt so viele wie bisher. Nach dem Debüt hat Toyota aber nicht aufgehört, am Plug-in-Hybrid-Modell zu arbeiten. Im Hochsommer 2019 sind die Früchte dieser Arbeit als 2019er-Jahrgang zu den Händlern gerollt. Das Antriebs-Gespann – aus einem Vierzylinder-Benziner, zwei Elektromotoren und einer 8,8 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie – hat die Zeiten dabei so gut wie unberührt überstanden. Der 1.8 Hybridantrieb mit stufenlosem Automatikgetriebe, so der offizielle Name, leistet wie bisher 122 PS und 142 Nm (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 1,3 Liter/9,9 kWh auf 100 km, 29 g/km CO2 und Effizienzklasse A+). Die Leistungsdaten klingen wenig erbaulich, die Verbrauchswerte lesen wir hingegen erneut mit Erstaunen. Erstaunlicher ist freilich, dass das “Dual-Motor-Drive”-System des Toyotas diese Zahlen im Alltag bestätigt.

toyota-prius-plug-in-hybrid-2019-innen-armaturenbrettIm EV-Modus fährt der Prius Plug-in-Hybrid vollkommen emissionsfrei noch ein paar Kilometer weiter als bisher. Die WLTP-Normmessung verspricht 59 Kilometer, im Test schaffen wir im EV-City-Modus konstant um die 50: sprich die bisherige NEFZ Normreichweite. Seinen weiten Aktionsradius verdankt der PHEV dem geringen Stromverbrauch: weniger als 10 kWh verlassen laut Norm auf 100 Kilometer die Batterie; real sind es 11 bis 12. Zum Vergleich: Der Golf 7 GTE braucht fast 3 kWh mehr – obwohl seine E-Maschine dieselbe Leistung zur Verfügung stellt wie die beiden E-Motoren des Prius. Der geht die vollelektrische Fahrt bis Tempo 135 indessen gemächlicher an. Aber die zwei Elektromotoren können mit ihrem unmittelbar verfügbaren Drehmoment bei Bedarf auch für einen kräftigen Antritt sorgen. Über 135 km/h oder bei leerem Akku greift dann der 1,8 Liter große Vierzylinder-Benziner ins Antriebsgeschehen ein; alternativ kann der Verbrenner auch per HV-Modus zugeschaltet werden.

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Ein Muster an Sauberkeit, ein Mangel an Alltagstauglichkeit

toyota-prius-plug-in-hybrid-2019-innen-cockpitDas Eingreifen des Benzinmotors entfacht im Prius keinen Feuersturm. Besonders bei höherem Tempo, auf der Autobahn, ist der Sauger leicht überfordert. Das stufenlose Automatikgetriebe wählt in diesen Situationen gern eine Stufe mit höheren Drehzahlen – das notorische Prius-Heulen ist die Folge. Ansonsten erweist sich das Getriebe als zuverlässiger Partner bei der Suche nach einer hohen Laufkultur und Effizienz. Im B-Modus wird der Prius PHEV z.B. zum fleißigen Rekuperierer; mehrmaliges Betätigen des EV/HV-Schalters aktiviert den Lademodus für die Batterie. Bei der Schaltstufenwahl gönnt sich das Getriebe so manche Gedenksekunde, darüber hinaus arbeitet es aber flüssig. Der Standardsprint dauert knapp 11 Sekunden, die Spitzengeschwindigkeit ist bei rund 160 km/h erreicht. Der größte Vorzug des Antriebsgespanns ist und bleibt allerdings die Effizienz. Der Plug-in-Hybrid-Antrieb erfüllt im 2019-er Modell erstmals die Abgasbestimmungen der Euro 6d-TEMP. Noch wichtiger: in diversen Öko-Praxistests hat er sich als echter Saubermann erwiesen.

toyota-prius-plug-in-hybrid-2019-aussen-dynamischDen Stromverbrauch des Prius Plug-in-Hybrid haben wir lobend erwähnt. Aber auch der Verbrennungsmotor weiß, wie Sparen geht: Bei leerem Akku braucht der Prius im Test knapp mehr als 4 Liter. Beim kombinierten Test-Verbrauch erreicht der Toyota die Normwerte zwar nicht ganz; rund 2,5 Liter können sich dennoch sehen lassen. Erfreulicherweise gehen die niedrigen Verbrauchswerte mit exzellenten Abgaswerten einher. In dieser Kategorie räumt der Prius PHEV eine Auszeichnung nach der anderen ab. In einer anderen Disziplin enttäuschte die Mittelklasse-Limousine bis dato: bei der Alltagstauglichkeit. Die Japaner haben das 4,65 Meter lange Modell bisher nur als Viersitzer ausgeliefert. Das 2019er-Modell kommt erstmals als Fünfsitzer – der Mittelsitz im Fond stellt sich im Test aber als bloßer Notsitz heraus. Verantwortlich dafür ist das eingeschränkte Platzangebot auf der Rückbank: Beinfreiheit wäre mehr als genug vorhanden, für die Köpfe wird es aufgrund der tiefen Dachlinie ab 1,80 Meter Körpergröße aber eng.

Prius-Plug-in-Hybrid mit üppiger und exzellenter Ausstattung

toyota-prius-plug-in-hybrid-2019-innen-sitzeVerschärft wird der Engpass bei der Kopffreiheit durch eine Tatsache: Der Prius Plug-in-Hybrid reicht bei hohem Tempo Unebenheiten im Straßenbelag unmittelbar an die Insassen weiter. Über Land und in der Stadt fährt sich der Toyota komfortabel, wenn auch nicht besonders agil. Eine besonders sportliche Fahrweise ist bei der mäßigen Bremsleistung auch nicht empfehlenswert. Fast 40 Meter Bremsweg aus Tempo 100 sind zu viel. Zu wenig ist uns im Gegensatz dazu das Stauraumvolumen und die Zuladung. Mit 354 bis 1.306 Litern ist der Kofferraum kleiner als der des zwanzig Zentimeter kürzeren Hyundai Ioniq (341 bis 1.401 Liter). Die maximale Zuladung von rund 250 Kilo lässt keine Großtransporte zu. Kurzum: Der Prius PHEV ist kein herausragendes Familienauto. Ein herausragend sicheres Fahrzeug ist der Toyota aber sehr wohl. Insbesondere im Bereich der aktiven Sicherheitsassistenten zeigt der Prius Plug-in-Hybrid auf: 2019 stärker als bisher.

toyota-prius-plug-in-hybrid-2019-innen-handyladenFür den aktuellen Jahrgang hat Toyota die Ausstattungslinien aufgewertet. Das Basismodell ist u.a. mit Matrix-LED-Scheinwerfern ausgestattet, die ein blendfreies Fernlicht ermöglichen. Ebenfalls an Bord ist die jüngste Ausführung des “Toyota Safety Sense”-Sicherheitspakets: mit einem aktiven Spurhalteassistenten, einer Verkehrszeichenerkennung – und einem Notbremsassistenten, der auch für Fußgänger bremst. Eine Rückfahrkamera rundet das Angebot des Basismodells ab; in der nächsthöheren Ausstattung “Comfort” kommen ein Head-up-Display und ein Rückfahrassistent mit Toter-Winkel-Warner hinzu. Die aktuelle Ausprägung des Navigationssystems “Toyota Touch&Go” ist mit seinem DAB+-Radio, seiner kabellosen Smartphone-Aufladung, seinen Onlinediensten und seiner WLAN-Funktion ein Feature der Werksausstattung. Diese Fülle an Extras relativiert den hohen Basislistenpreis von 37.200 Euro – der Umweltbonus für Elektroautos drückt den Preis des Prius Plug-in-Hybrid weiter nach unten.

Technische Daten des Toyota Prius Plug-in-Hybrid

PS-Anzahl: min. 122 PS max. 122 PS
kW-Anzahl: min. 90 kW max. 90 kW
Antriebsart: Frontantrieb
Getriebeart: Automatik
Kraftstoffart: Elektro und Benzin
Verbrauch (kombiniert): min. 9,9 kWh/100km max. 1,3 l/100km
CO2-Emission: min. 29 g/km max. 29 g/km
Effizienzklasse: min. A+ max. A+
Abgasnorm: Euro 6 (grüne Feinstaub-Plakette)
Listenpreis: ab 37.200,00 Euro
Stand der Daten: 03.12.2019

Konkurrenzmodelle

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Fazit zum Toyota Prius Plug-in-Hybrid Test

MeinAuto.de Redakteur: MeinAuto.de Redaktion |
Fazit: Toyotas Hybrid-Meister verbucht als Prius Plug-in-Hybrid in mehreren Disziplinen satte Zugewinne. Die aufladbare Batterie erhöht die Reichweite und verbesserte die Abgaswerte: rund 50 Kilometer fährt die Mittelklasse-Limousine emissionsfrei; im Hybridmodus höchst effizient um die 1.000 Kilometer. Das 2019er-Modell erweitert zudem die Ausstattung und die Alltagstauglichkeit mit einem fünften Sitzplatz. Ein großer Praktiker wird der Prius dennoch nicht mehr. Bei MeinAuto.de startet Toyotas PHEV ab 31.637 Euro – 16,8% bzw. umgerechnet über 6.200 Euro unter der UVP; die stattliche Prämie ist bei diesem Preis noch nicht abgezogen.

 

4 von 5 Punkten

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