Volvo V60 im Test (2018): 2. Generation des Mittelklasse-Kombis

Dem jüngeren Kombi V60 fällt dieses Jahr das Privileg zu, die nächste Ausbaustufe der Volvo-Mittelklasse einzuläuten. Die eine Generation ältere Limousine S60 folgt Ende 2018. Den kleinen Vorsprung kann der Kombi gut gebrauchen – denn er hat es mit einer stärkeren Konkurrenz zu tun. Sowohl der Audi A4 Avant, der BMW 3er Touring wie das Mercedes C-Klasse T-Modell von Mercedes sind bei uns beliebter als die entsprechenden Limousinen. Mit welchen Mitteln und Angeboten der neue V60 dagegenhalten will, lesen Sie im Testbericht.

Inhalte des Testberichts zum Volvo V60:

  1. Zum Testbericht
  2. Technische Daten (als Tabelle)
  3. Unser Fazit mit Sternebewertung
  4. Konkurrenzmodelle

V60 so groß wie einst der V70

volvo-v60-kombi-2018-ausen-seiteUm Konkurrenten zu verdrängen, setzt unsere Zeit auf ein Allheilmittel – das Wachstum. Volvo folgt mit dem neuen V60 ebenfalls dieser Route. Der Mittelklasse-Kombi aus dem gesegneten Norden wächst in seiner zweiten Auflage kräftig. In der Länge legt er um 13 Zentimeter auf 4,76 Meter zu. Davon fallen neun Zentimeter für den Radstand ab – ein kritisches Maß in der Mittelklasse. Ist es groß genug, verspricht es den Insassen Freiräume, die selbst gehobenen Ansprüchen genügen. Mit 2,87 Metern überragt die Generation II des kühlen Schweden das deutsche Premium-Trio: ein erster Prestigeerfolg. Der kann sich jedoch rasch ins Gegenteil umkehren, wenn das vermeintliche Prestige als Blendwerk entlarvt wird. Zur Verifizierung der Platzverhältnisse hüpfen wir ins Fond und lassen hinter uns die schweren, angenehm großen Türen ins Schloss fallen. Noch bevor wir das Platzangebot taxieren können, fällt uns etwas anderes auf. Die Geräuschkulisse im V60 ist so arm wie die Dekoration einer Vorstadtbühne.

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volvo-v60-kombi-2018-sitze-innenAnders gesagt. Im edlen Kombi-Kreuzer aus Schweden ist es mucksmäuschenstill. Keine Kunst, mögen Sie denken: Im Stehen, ohne Motor- und Fahrgeräusche. Stimmt, aber: Im V60 gibt es akustisch zwischen Stehen und Fahren kaum einen Unterschied; erst jenseits der 130 km/h ist leise ein solcher zu vernehmen. In unserer hektischen, dauer-beschallten Welt ein echter Luxus. Den bieten freilich auch die edlen Konkurrenten. Beim gebotenen Freiraum hat der neue Volvo-Kombi in puncto Beinfreiheit jedoch mehr zu bieten. Zur Seite und nach oben hin haben wir mit 1,90 Metern ebenfalls mehr als genug Entfaltungsspielraum. Sehr fein, lautet unser Urteil, das wir in vielen Aspekten auf den  umgestalteten Stauraum ummünzen dürfen. Das Volumen wächst von skandinavisch bescheidenen 430 bis 1.241 Litern auf passable 529 bis 1.441. Was die Basiskonfiguration betrifft, lädt der Volvo damit so viel ein wie die Mitbewerber. Der Vergleich zeigt aber: Bei umgelegten Rückbanklehnen ist der V60 weiter recht geizig. Der BMW 3er Touring verstaut im Heck 495 bis 1.500 Liter, der Audi A4 Avant 505 bis 1.510 und das Mercedes C-Klasse T-Modell 490 bis 1.510. Ein Skoda Superb Combi bewegt sich mit 660 bis 1.950 Litern in einer eigenen Liga.

Zwei kräftige Plug-in-Hybridmotoren ab Ende 2018

volvo-v60-kombi-2018-innen-cockpit-naviDer V60 setzt statt bloßem Volumen indessen auf Raffinesse. Höchst bequem empfinden wir den optionalen Schalter an der Kofferraumseitenwand, der die Rücksitze mit einem Druck umlegt. An praktische Zusatzstaufächer haben die sauberen Schweden ebenso gedacht; in der Neigung verstellbare Rücksitzlehnen fehlen uns aber. Im Cockpit fehlt es dem neuen V60 hingegen an nichts – weder an hochwertiger Einrichtung, an bequemen Sitzmöbeln und an stilvollen Zierelementen; der aufrechte Touchscreen und seine flankierenden Riesenlüftungsdüsen sind Geschmackssache. Das Multimedia- bzw. Infotainment-System präsentiert sich rundum mit neuer Soft- und Hardware. Dass es uns dennoch altbekannt vorkommt, liegt daran, dass es auch im  V90 oder XC60 verbaut wird. Einziger Kritikpunkt unsererseits: Die Digitalisierung ist nicht überall sinnvoll. Wir jedenfalls tun uns mit herkömmlichen Schaltern beim Regeln der Sitzheizung und der Klimaanlage leichter.

volvo-v60-kombi-2018-innen-kofferraumÄhnlich verhält es sich mit der Elektrifizierung des Verkehrs. Plug-in-Hybrid-Motoren zum Beispiel sind eine interessante, weil relativ abgasarme Brückentechnologie. Ob dieser Vorteil bei den beiden V60-Varianten so groß ist wie er sein könnte, steht derzeit zumindest in Frage. Mit 340 bzw. 390 PS werden die T6 und die T8 Twin Engine ab Ende 2018 mehr Dampf produzieren, als sie müssten. Wie sich das auf den realen Verbrauch und den tatsächlichen Abgasausstoß auswirkt, bleibt abzuwarten. Genaue Normwerte sind die Schweden bis dato noch schuldig geblieben – es dürften laut Norm jedoch gut zwei Liter sein. Die technischen Grundzutaten der Doppelmaschinen sind indes schon jetzt bekannt. Die wichtigste Änderung: Dem E-Motor steht fortan ein Ottomotor zur Seite. Wir kehren von der nahen in die nahste Zukunft zurück. Zum Markstart im Juli lässt Volvo den V60 II mit einem Benziner und zwei Diesel-Motoren von der Leine. Ende des Jahres folgt mit dem T5 ein weiterer Zweiliter-Ottomotor mit 250 PS.

V60: ungewohnt agil & gewohnt sicher

volvo-v60-kombi-2018-ausen-vorneDer Vierzylinder-Benziner für das Debüt des V60, der T6 AWD, liefert 310 PS und 400 Nm, die mit Hilfe eines Turboladers und eines zusätzlichen Kompressors generiert werden (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 7,4 Liter auf 100 km, 174 g/km CO2 und Energieeffizienzklasse C). Ein „Instant Traction“-Allradsystem mit elektronischer Lamellenkupplung und eine 8-Gang-Automatik namens „Geartronic“ bringen die Kraft auf die Straße. Wie die 5,8 Sekunden für den 0-100-Sprint belegen, tun sie das sehr erfolgreich. Dennoch passen die beiden Dieselmotoren besser zum V60. Sie sind zwar weniger temperamentvoll, dafür aber ausgeglichener. Beide Zweiliter-Selbstzünder, der D3 mit 150 und der D4 mit 190 PS, stehen beim Debüt mit 6-Gang-Handschaltung oder 8-Gang-Geartronic im Sortiment (Kraftstoffverbrauch kombiniert D3: 4,4/4,7 Liter auf 100 km, 117/124 g/km CO2 und Energieeffizienzklasse A+; D4: 4,5/4,6 Liter auf 100 km, 119/122 g/km CO2 und Energieeffizienzklasse A+). Der Zusammenschluss mit dem Allradsystem kommt einige Monate später. Alle Motoren genügen dabei von Beginn an der Euro 6d-temp Abgasnorm. Sie wird für Neuwagen ab Herbst 2019 gelten und berücksichtigt wenigstens zum Teil reale Abgas- bzw. Verbrauchswerte.

volvo-v60-kombi-2018-ausen-hintenMöglichst effiziente und abgasarme Antriebe sind für ein Familienauto eine mobile Schlüsselqualifikation. Die andere sind eine hochwertige Sicherheitsausstattung und ein stabiles, komfortabel gefedertes Fahrwerk. Beide Qualitäten gehören traditionell zu den Stärken des Göteborger Autobauers – so auch beim neuen V60. Erstmals hat Volvo dem geschmeidig federnden Kombi aber einen Schuss Agilität beigemischt; das das 900 Euro teure adaptive Fahrwerk ist dafür nicht nötig. Das Geld ist im prall gefüllten Assistenzladen der Schweden besser angelegt. Für den Preis hat Volvo etwa die rundum Einparkhilfe und das „IntelliSafe Surround“-System samt Totwinkel- und Querverkehrs-Assistenten im Angebot. Das „Pilot Assist“-System, das den Mittelklassekombi bis 130 km/h teilautonom lenkt, ist mit 1.600 Euro hingegen deutlich teurer. Es rollt bei Volvo demnach nicht nur das Auto, sondern auch der Rubel.

Technische Daten des Volvo V60:
PS-Anzahl: min. 150 PS max. 310 PS
kW-Anzahl: min. 110 kW max. 228 kW
Antriebsart: Frontantrieb oder 4×4-Allradantrieb
Getriebeart: Manuell oder Automatik
Kraftstoffart: Benzin oder Diesel
Verbrauch (kombiniert): min. 4,3 l/100km max 4,7 l/100km
CO2-Emission: min. 114 g/km max. 171 g/km
Effizienzklasse: min. A+ max. C
Abgasnorm: Euro 6d Temp (grüne Feinstaub-Plakette)
Listenpreis: ab 40.100 Euro
Stand der Daten: 15.06.2018

Konkurrenzmodelle

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Fazit zum Volvo V60 Test

MeinAuto.de Redakteur: MeinAuto.de Redaktion |
Die zweite Generation des Volvo V60 bietet spürbar mehr Platz für Insassen und Gepäck. Die Diesel- und Benzinmotoren sind bereits fit für die nächste Norm. Und in Bezug auf die Sicherheit und den Komfort macht den Schweden ohnehin niemand etwas vor – auch beim V60 nicht. Auf MeinAuto.de gibt es die zweite Generation ab 41.475 Euro, 17,8% oder umgerechnet gut 8.800 Euro günstiger als direkt im herkömmlichen Autohaus.

     
5 von 5 Punkten

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