Opel Insignia Sports Tourer Test: Modellpflege einmal anders

26.03.2014 Alle Testberichte

Opel Insignia Sports Tourer
© GM Company


Für Kombis gilt heute ein ehernes Gesetz: sie dürfen auf keinen Fall Kombi heißen. Auch Opel hat sich diesem Gesetz gebeugt und die Kombi-Variante des 2008 eingeführten Vectra-Nachfolgers Insignia mit dem Namen Sports Tourer getauft. Im vergangenen Herbst nun ließ Opel seinem Mittelklassekombi eine Modellpflege zu Teil werden. In unserem Test begutachten wir die Ergebnisse der technischen und optischen Frischzellenkur.

Alte Tugenden und neue Bedienung


Dabei wartet Opel gleich zu Beginn mit einer Überraschung auf. Eine Modellpflege - so ein zwar nicht ehernes, aber doch eine zumindest blechernes Gesetz - verändert nur Details, etwa eine neue Blende hier und eine schöne Chromfassung oder einen frischen Scheinwerfer da. Die Rüsselsheimer haben mit dieser Tradition gebrochen und kräftig am Fahrwerk, der Lenkung und der Bedienung des Insignia geschraubt. Hinzu kommen neue Motoren und kleine optische Veränderungen.

Diese betreffen bspw. die vorderen Scheinwerfer, die jetzt ein Kranz aus LED-Leuchten säumt; die beiden Stoßfänger und die adrette Chromspange zwischen den Heckleuchten. Die Außenmaße sind hingegen unverändert geblieben, woraus folgt: auch das Platzangebot für Insassen und Gepäckstücke ist gleich geblieben. Kein Problem, denn der Sports Tourer war von jeher großzügig konzipiert. Und anders als bei der Limousine laufen beim Kombi die Passagiere auf der Fondbank nicht Gefahr, mit der Decke in Berührung zu kommen. Der Kontakt mit den hinteren Sitzmöbeln hingegen ist nach wie vor nicht der sanfteste. Ein Mangel, den der Fahrer in den ausgezeichneten Komfortsitzen (Gütesiegel Gesunder Rücken) nur vorm Hörensagen kennt. Am eigenen Leib erfahren musste er bisher hingegen das Manko der abenteuerlich unübersichtlichen Bedienung.

opel insignia sports tourer 2014
© GM Company


Im Zuge der Modellpflege hat Opel diesen Schwachpunkt adressiert und - auf den ersten Blick sieht das hochwertig verarbeitet Cockpit viel zugänglicher und aufgeräumter aus. Dieser erste Eindruck aber ist ein klassischer Fall von: zu früh gefreut! Der Bedienungs-Spießrutenlauf beginnt beim neuen 8-Zoll-Touchdisplay, dessen teils unscharfe Darstellung aber erst dann zum Problem wird, wenn der Bildschirm einmal bedienungsbereit ist - und das kann dauern. Jürgen Klopp wäre mit dem BVB bei so viel Warten jedenfalls schon längst abgestiegen. Außerdem funktioniert die neue Schrifterkennung nur für Kalligraphen und die mehrfach belegten Tasten haben das Bedienchaos eher verlagert als gelöst.

Neue Hinterachse steigert Komfort


Wäre wir jetzt boshaft, könnten wir sagen: gut, dass die Rüsselsheimer den Kofferraum vor Verbesserungen verschont haben. Wir sind es aber nicht und stellen deshalb sachlich fest: mit 540 bis 1.530 Litern ist der Kofferraum mittelgroß, beim Beladen stört die breite Ladekante, dafür aber erfreut der ebne Ladeboden. Und was packt die Mittelklasse-Konkurrenz so weg? Der Mazda 6 Kombi [sic] schafft 522 bis 1.622 Liter, der VW Passat Variant 603 bis 1.731 Liter. Außer Konkurrenz, weil unschlagbar, ist der Skoda Superb Combi mit 603 bis 1.835 Litern.

Deutlich erfolgreicher als bei der Bedienung war Opel dann bei der Überarbeitung des Fahrwerks. Rund zwei Drittel der Hinterachse haben die Ingenieure ausgetauscht, um den störenden Vibrationen und dem nervenden Lärm Herr zu werden. Das Unterfangen war von Erfolg gekrönt, denn der überarbeitete Sports Tourer federt geräuscharm und sanft über lange wie kurze Stöße. Außerdem liegt er satt auf der Straße und lenkt - abgesehen von der etwas synthetischen Servo-Unterstützung - folgsam ein. Wer es ganz gemütlich haben will, der ordert für 930 Euro Aufpreis noch das adaptive Fahrwerk namens "Flex-Ride".

Motoren: sparsame Neuzugänge


opel insignia sports tourer cockpit 2014
© GM Company


Geschliffen und aufgeräumt haben die Rüsselsheimer schließlich die Motorenpalette. Die interessantesten Neuzugänge sind sicherlich die beiden kleinen Common-Rail-Turbodiesel. Sie leisten jeweils 10 PS mehr als ihrer Vorgänger - es sind 120 bzw. 140 PS - und verbrauchen trotzdem signifikant weniger Diesel. 3,9 Liter bzw. nur 104 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer gelobt Opel, wie immer aber sind diese Werte eine allzu optimistische Prognose: Im Test sog der 140-PS-Diesel im Schnitt 6,7 Liter aus dem Tank. Störend war für uns jedoch insbesondere das lethargische Temperament der Spardiesel, die trotz 320 bzw. 370 Nm Spitzendrehmoment nicht in die Gänge kommen wollen. 11 Sekunden verstreichen bis zum Hunderter, gar 22 im sechsten Gang beim Zwischensprint von 80 auf 120 km/h. Schuld daran ist das Übergewicht des Opel-Kombis, der gute 1.700 Kilogramm auf die Waage bringt.

Für deutlich mehr Spritzigkeit sorgen hingegen die beiden stärkeren Diesel, insbesondere der 2.0 BiTurbo CDTI mit 195 PS und 400 Nm Drehmoment (NEFZ-Verbrauch 4,9 Liter); und die Turbobenziner. Neu sind hier die beiden Direkteinspritzer mit 170 PS (1.6 SIDI) und 250 PS (2.0 SIDI), die ab Werk mit Opels ecoFlex-Effizienzpaket daherkommen. Und Leistungsfanatiker werden vom Opel Performance Center bedient, und zwar mit einem 325 PS starken V6-Motor, der das Schwergewicht in 6 Sekunden von 0 auf 100 wuchtet.

Fazit: Opel hat sich bei der Modellpflege des Insignia Sports Tourer wirklich ins Zeug gelegt und Motoren sowie Fahrwerk spürbar verbessert. An der Bedienung hakt es allerdings weiterhin, und etwas weniger Gewicht täte dem Mittelklassekombi auch gut. Der Preis stimmt hingegen schon: Auf MeinAuto.de startet der Sports Tourer mit 22,1% Rabatt bei 20.158 Euro.

Günstige Autos gibt es auf MeinAuto.de aber auch von anderen Herstellern, so zum Beispiel den VW Passat Variant ab 19.653 Euro und 26,3% Rabatt; oder den Mazda 6 Kombi ab 21.367 Euro (16,3%). Für den Kauf bieten wir ihnen außerdem verschiedene Autofinanzierungsmöglichkeiten, vom flexiblen Autokredit bis hin zum besonders für Gewerbekunden attraktiven Auto Leasing.









 
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