ADAC Staukalender: Tipps für die beste Reisezeit und das Verhalten bei Stau

07.02.2017 Alle Ratgeber

Viele Berufspendler stehen täglich im Stau. Die Verkehrsstockungen haben aufgrund des gewachsenen Verkehrsaufkommens innerhalb der vergangenen Jahre zugenommen und sind aus dem Verkehrsalltag kaum noch wegzudenken. Staus belasten das Nervenkostüm der Fahrer, sie rauben Zeit und sind zudem auch noch kostenintensiv, denn durch das ständig Bremsen und Anfahren verbraucht das Auto mehr Sprit.

Fahrt in den Urlaub planen und Stau umgehen>


ferienverkehrBesonders bei der Fahrt in den Urlaub und mit Kindern an Bord ist es sehr unangenehm mehrere Stunden in einem Stau zu stehen. Um möglichst eine freie Autoreise genießen zu können, ist es sinnvoll, die Abfahrtszeiten bzw. -daten im Voraus gut zu planen. Der ADAC unterstützt Urlauber mit seinem Staukalender bei der Reisevorbereitung. Jedes Jahr im Januar veröffentlicht der Automobilclub nicht nur die Ferientermine aller Bundesländer, sondern erstellt unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren auch eine hilfreiche Stau-Jahresübersicht für Deutschland und das grenznahe Ausland.

Den ADAC Staukalender nutzen – antizyklisch planen


Auf der ADAC Staukarte markiert der Verein alle staugefährdeten Autobahnen bzw. Routen in roter Farbe. Im ADAC Staukalender ist anhand verschiedener Farben dargestellt, an welchen Tagen im Jahr mit verstärktem Verkehr (gelb), starkem Verkehr mit Stauungen (orange) und sehr starkem Verkehr mit längeren Stauungen (rot) auf den Ferienautobahnen zu rechnen ist. Der Staukalender 2017 steht hier als PDF zur Verfügung.

Der Kalender für das laufende Jahr zeigt, dass besonders an Freitagen und vor Feiertagen mit einem hohen Verkehrsaufkommen zu rechnen ist. Der ADAC weist außerdem darauf hin, dass die Rückreisestrecken aller Voraussicht nach freitags (14 – 19 Uhr), samstags (11 – 18 Uhr) und sonntags (14- 20 Uhr) sehr stark befahren sein werden. Wer die Möglichkeit hat, sollte diese Tage und Zeiten bei der Urlaubsplanung meiden, also antizyklisch fahren. Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei der Reiseplanung die morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeiten bestimmter Städte und Regionen zu berücksichtigen und möglichst zu meiden. Zu den stauauffälligsten Gebieten in Deutschland zählen u. a. Köln, Hamburg, das Ruhrgebiet, Stuttgart, München, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Bremen und Berlin.

adac-staukalender-2017 Quelle: ADAC

Wie entsteht ein Stau?


Natürlich lassen sich auch mit dem Staukalender nicht garantiert alle Verkehrsstockungen umgehen. Denn für die Entstehung von Staus gibt es verschiedene Ursachen. Zu den Einleuchtendsten gehören Unfälle und Engpässe oder vorübergehend eingerichtete Ampelsysteme an Baustellen. Auch durch Überholmanöver von Lkws, die Autofahrer ausbremsen, kommt es häufig zu Verkehrsverlangsamungen auf Autobahnen. Stauungen entstehen aber auch dort, wo die oben genannten Probleme nicht auftreten. Wie kann das sein?

Fachleute sprechen bei der Überlastung der Verkehrswege durch zu viele Kraftfahrzeuge (die vor allem zu bestimmten Stoßzeiten im Berufsverkehr, im Ferienverkehr oder Feiertagsverkehr auftritt) von einem sogenannten Sättigungsproblem. Vereinfach gesagt heißt das, dass zu viele Autofahrer einen begrenztes Raumangebot auf den Straßen für sich in Anspruch nehmen möchten. Hauptursache für die Überlastung einzelner Streckenabschnitte sind laut Fachkreisen die Geschwindigkeitsunterschiede der einzelnen Verkehrsteilnehmer. Sowohl schnelleres als auch langsameres Fahren haben einen negativen Einfluss auf die Kapazität der Straße. Häufiges Bremsen und Beschleunigen löst Kettenreaktionen im Folgeverkehr aus. Fädelt beispielsweise ein Autofahrer mit 120 km/h zum Überholen auf die linke Spur ein, müssen nachfolgende Verkehrsteilnehmer ihr Tempo auf weniger als 120 km/h drosseln. Die dahinter fahrenden Pkws sind gezwungen noch langsamer zu fahren. Dies setzt sich fort, so dass Minuten nach einem einzigen Überholmanöver ein Stau auftreten kann. Die Entstehung einer solchen Verkehrsstockung wird auch als „Schmetterlingseffekt“ bezeichnet. Der Schmetterlingseffekt tritt z. B. häufig auch durch das Spurenwechseln bei stockendem Verkehr – dem „Lückenhüpfen“ – oder bei falscher Anwendung des Reißverschluss-Verfahrens auf.

Wie genau ein Stau entsteht hat "Welt der Wunder" ausprobiert:



Vorausschauend fahren – Staus vermeiden


Aus Sicht der Stauforschung gilt: Wenn sich alle Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von 80 – 100 Kilometer fortbewegen würden, ließe sich ein Großteil der Staus vermeiden. Eine gleichmäßige Fortbewegung aller Autos, zu vergleichen mit der Funktionsweise eines Fischschwarms, lässt sich in der Realität bisher nicht umsetzen. Es gibt jedoch einige Tipps für die Fahrpraxis, die dabei helfen können, die Entstehung von Staus zu vermeiden.
  • Abstand halten: Ein ausreichender Abstand zum Vordermann senkt das Risiko zum Stillstand zu kommen und neu anfahren zu müssen. Das Risiko von Kettenreaktionen durch Bremsen lässt sich auf diese Weise minimieren.
  • Immer auf das Fahren konzentrieren: Nicht selten kommt es zu Verkehrsstaus, weil Autofahrer „träumen“ oder bei Unfällen „gaffen“ und dabei ihr Tempo drosseln. Es gilt deshalb, die volle Konzentration immer auf das Verkehrsgeschehen zu richten, das vor einem liegt.
  • Die Spur beibehalten: Durch „Lückenhüpfen“ kommen Autofahrer nur in den seltensten Fällen schneller ans Ziel. Tatsächlich zwingen sie nachfolgende Verkehrsteilnehmer durch die häufigen Spurwechsel oft zum Bremsen und verursachen auf diese Weise Schmetterlingseffekte.
  • Beim Spurverengungen richtig einfädeln: Beim Reißverschlussverfahren sollen Pkw-Fahrer – wie in der StVO vorgeschrieben ist – darauf achten, erst kurz vor Beginn der Verengung einzufädeln. Wer sich bereits auf der befahrbaren Spur befindet, ist in der Verantwortung, eine Lücke für seinen Nebenmann zu lassen.
  • Rück- und Außenspiegel im Blick behalten: Autofahrer sollten die Spur nur dann wechseln, wenn sie damit niemanden ausbremsen, d. h. der nachfolgende Verkehr nicht schneller unterwegs ist.

Stau umfahren – ist das sinnvoll?


Einen Stau zu umfahren lohnt sich gemäß Expertenmeinung in den meisten Fällen nicht oder frühestens ab einer Verzögerung von etwa einer halben Stunde. Statistiken haben in der Vergangenheit gezeigt, dass das „Anstellen“ an den Stauenden häufig die schnellere Variante ist, um ans Ziel zu kommen, als ein Ausweichen über die Landstraßen. Die kleinen Nebenstraßen können ein hohes Verkehrsaufkommen in den meisten Fällen ohnehin nicht bewältigen. Weil Navigationssysteme Autofahrer in der Regel auf dieselben Strecken umleiten, ist auch hier mit Verkehrsstockungen zu rechnen. Wenn nur zehn Prozent der Kraftfahrzeuge von der Autobahn abfahren, drohen bereits lange Staus auf den Landstraßen.

Eine eindeutige Ausnahme für diese Empfehlung gibt es jedoch, wenn eine Vollsperrung einer Strecke auf ungewisse Zeit ausgesprochen ist. In diesem Fall sollten Autofahrer die frühestmögliche Umfahrungsgelegenheit nutzen. Einen Stau vermeiden und von der Autobahn abfahren sollte man auch, wenn Sprit oder Proviant zu Ende gehen. Im Stop-and-Go Verkehr verbrauchen Kraftfahrzeuge sehr viel Kraftstoff. Auch wenn kleine Kinder an Bord sind sowie aus psychologischer Sicht, kann es in bestimmten Situationen sinnvoll sein, einen Stau zu umfahren oder sich z. B. an einer Raststätte die Zeit zu vertreiben.

Rettungsgasse bilden – neue Regelung seit 14. Dezember 2016


ADAC verkehr rettungsgasseWer an ein Stauende kommt, sollte den nachfolgenden Verkehr schnellstmöglich mit der Warnblinkanlange auf die Verkehrsstörung aufmerksam machen. Das Fahrzeug nicht zu verlassen und ausreichend Abstand zum Vordermann zu halten, sind zwei weitere Verhaltensregeln im Stau.

Seit Dezember 2016 schreibt die Straßenverkehrsordnung (StVO, § 11, Absatz 2) zudem eine neue, eindeutige Regelung zur Bildung einer Rettungsgasse auf Autobahnen und Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrspuren vor. Die Durchfahrt für Polizei- und Feuerwehr- und Krankenwagen ist stets zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen zu bilden. Wer sich also auf der ganz linken Spur befindet, fährt ganz links, alle anderen Fahrer bewegen sich nach rechts. Der Standstreifen ist dabei frei zu halten oder möglichst maximal mit der halben Wagenbreite zu nutzen. Das Gesetz gilt bei Schrittgeschwindigkeit und Stillstand. Autofahrer, die sich nicht an die neue Regelung für die Rettungsgasse halten, müssen mit Geldstrafen rechnen.




Autor: Fabian Thomas

 
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