Autofahrer aufgepasst: Strafen im Ausland

24.01.2014 Alle Ratgeber

Wer mit dem Auto in Europa unterwegs ist, sollte sich vor Antritt der Fahrt über die Verkehrsbestimmungen der Zielländer informieren. Die Unterschiede zwischen den Verkehrsordnungen der einzelnen Regionen mögen auf den ersten Blick nicht sonderlich bedeutend ausfallen,  die Höhe der Bußgelder für Autofahrer bei Verstößen schwankt hingegen umso stärker. Und auf den zweiten Blick gibt es im Ausland dann eben doch einige – oft kleine, aber folgenträchtige – Unterschiede hinsichtlich der Pflichten von Autofahrern. So müssen Reisende nicht nur auf eventuell anfallende Mautgebühren achten, sondern auch auf andere Verkehrsvorschriften wie beispielsweise die Lichtpflicht, die Unfall-Meldepflicht oder eine variierende Promillegrenze. Verstöße können den Verkehrssündern teuer zu stehen kommen.

Skandinavien: keine Gnade für Verkehrssünder

Während die Strafgebühren für Verkehrsdelikte in Deutschland noch verhältnismäßig niedrig ausfallen, bitten viele andere Staaten Autofahrer erheblich zur Kasse. Besonders konsequent gehen die skandinavischen Ländern gegen Verkehrssünder vor, allen voran Norwegen. Für eine Tempoüberschreitung von 20 km/h fällt in dem nordeuropäischen Königreich eine Gebühr von minimal 465 Euro an. Dagegen wirken die Kosten von maximal 35 Euro in Deutschland wie Peanuts. Wer in Norwegen 50 km/h oder mehr zu schnell fährt, muss sogar mit einem Bußgeld von mindestens 1500 Euro rechnen. Hierzulande startet das Strafmaß bei 240 Euro. Deutlich höhere Sanktionen als Deutschland verhängen auch die meisten südeuropäischen Länder, Großbritannien, die Schweiz, Österreich und die Niederlande. Unser Nachbar im Westen ahndet im Übrigen auch das Handy am Steuer am strengsten. Mehr als 200 Euro kostet den Fahrer diese Unaufmerksamkeit. Ähnlich teuer ist das Telefonieren ohne Freisprechanlage in Spanien (ab 200 €) und Italien (ab 150 €). Zum Vergleich: In Deutschland fällt nur eine Gebühr von 40 Euro an. Im sonst so streng gegen Verkehrssünder vorgehenden Schweden ist die Handynutzung während des Fahrens skurilerweise nicht verboten. Alkohol am Steuer ist im Ikea-Mutterland hingegen kein Kavaliersdelikt. Mindestens 40 Tagessätze gemessen am Monatsverdienst zahlen diejenigen, denen mehr als 0,2 Promille im Blut nachzuweisen ist. Wer z. B. ein Tageseinkommen von 190 Euro hat, zahlt folglich minimal 7.600 Euro Buße. Mit Tagessätzen rechnen übrigens auch andere Nationen, wie beispielsweise die Finnen. So gibt es in jedem Land Besonderheiten, die es für Autofahrer zu beachten gilt, um größeren Ärger zu vermeiden. Während in Deutschland das alkoholisierte Fahren die höchste Strafe nach sich zieht (ab 500 Euro), gibt es in vielen europäischen Ländern eine andere Gewichtung der Verkehrssünden. Darüber hinaus zeigen sich auch Unterschiede bei der Vollstreckung von Strafen im Ausland.

Alkohol am Steuer: Pkw-Enteignung und Freiheitsstrafen


Die Promillegrenze schwankt in den europäischen Ländern zwischen 0,0 und 0,8. Der Nullwert gilt in Tschechien, Ungarn, der Slowakei und in Rumänien. Am kulantesten ist noch Großbritannien – zumindest auf den ersten Blick. Denn wer hier die zulässigen 0,8 Promille überschreitet, muss mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 5.820 Euro rechnen. Ähnlich hart im Falle von Alkohol am Steuer greifen die Schweden (Promillegrenze: 0,2; Strafe: ab 40 Tagessätze), Finnen (Promillegrenze 0,5; Strafe: ab 15 Tagessätze) und Dänen (Promillegrenze: 0,5; Strafe: ab 1 Monatsverdienst) durch. In Schweden droht neben hohen Gebühren von mindestens 770 Euro sogar eine Haftstrafe. Und auch in Italien ist das alkoholisierte Fahren kein Kavaliersdelikt (Promillegrenze: 0,5; Strafe: ab 500 Euro). Wenn die Polizei einen Fahrer mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,5 Promille oder mehr mit seinem eigenen Kfz im „Stiefel-Land“ ertappt, kassiert sie das Fahrzeug ein und ist berechtigt, dieses zu versteigern.

Geschwindigkeit


Wie bereits erwähnt ahnden die skandinavischen Länder, die südeuropäischen Länder, Großbritannien, die Schweiz, Österreich und die Niederlande das zu schnelle Fahren am strengsten. Während die Bußgelder für Tempoüberschreitungen von etwa 20 km/h des Öfteren noch relativ milde ausfallen, verstehen viele Nationen keinen Spaß mehr, wenn Autofahrer mehr als 50 km/h zu schnell sind. So schwanken die Gebühren in Österreich beispielsweise zwischen 20 und 2180 Euro, in Großbritannien zwischen 75 und 3000 Euro. Der französische Staat kassiert jedes Mal 1500 Euro ein (> 50 km/h). Die Italiener haben sich derweil eine besondere Regelung einfallen lassen. Wer zwischen 22 und 7 Uhr zu schnell unterwegs ist, zahlt um ein Drittel höhere Strafen als tagsüber. Gleiches gilt auch im Falle eines Rotlichtverstoßes.

Rotlichtverstoß & Überholverbot


Mit besonders hohen Strafen für das Überfahren einer roten Ampel ist in Schweden (ab 300 €), Ungarn (bis 370 €), Mazedonien (ab 300 Euro) und Kroatien (ab 270 €) zu rechnen. Spitzenreiter bei den Kosten für Überhol- und Rotlichtverstoß sind allerdings – wie auch bei den Temposünden – die Norweger. Jeweils 670 Euro fallen hier für eines der Vergehen an. Unerlaubtes Überholen gewichten aber auch die Slowenier sehr hoch. Das Strafmaß beginnt hier bei 500 Euro.

Nichtangelegte Sicherheitsgurte


Was das Nichtanlegen von Sicherheitsgurten angeht, so sind die Norweger mit einem Bußgeld von 100 Euro ausnahmsweise nicht die strengsten. Am teuersten kommt der Sicherheitsmangel Pkw-Fahrern in Griechenland (ab 350 €), Großbritannien (bis 600 €), Portugal (ab 120 €), Estland (bis 190 €), Spanien (bis 200 €) und Schweden (170 €) zu stehen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Gebühr bei „läppischen“ 30 Euro.

Handy am Steuer


Auch was das Telefonieren mit dem Handy im Auto betrifft, kommen die Deutschen mit einer Strafe von 40 Euro gut weg. Bei diesem Regelverstoß verstehen die Niederländer (230 €), Spanier (ab 200 €), Norweger (165 €),  Italiener (ab 150 €), Franzosen (ab 135 €) und Portugiesen (ab 120 €) hingegen überhaupt keinen Spaß.

Parkverstöße


Falsches Parken ist in allen europäischen Ländern die Verkehrssünde, die noch am ehesten zu verzeihen ist und deshalb im Verhältnis die geringsten Strafgebühren nach sich zieht. Einzig Spanien sticht hier mit Bußgeldern von bis zu 200 Euro stark heraus. Dennoch gilt es auch im Falle der Parkregeln, sich über Besonderheiten zu informieren, um größeren Unannehmlichkeiten zu entgehen. Beispielsweise sollten Autofahrer in Holland unbedingt vermeiden, unerlaubt einen Behindertenparkplatz zu blockieren, denn wer erwischt wird, zahlt satte 370 Euro.

Gebühren & Vollstreckung – zurück in Deutschland


Wer im Ausland gegen die Verkehrsordnung verstößt, aber die Strafgebühr nicht unmittelbar im Reiseland verrichtet hat und ungeschoren nach Deutschland zurück kommt, muss sich im Nachhinein noch auf eine Strafe einstellen. Das gilt zumindest für alle Bußgelder von mindestens 70 Euro. Die ausländischen Behörden können sich seit dem 20.08.2013 gemäß einer EU-Richtlinie an eine deutsche Kontaktstelle richten, um auf Kfz-Halterdaten zuzugreifen. Darüber hinaus kommt es auch vor, dass Verkehrssünder bei einer Wiederkehr in ein Reiseland nachträglich zur Kasse gebeten werden. Zu beachten ist im Übrigen auch, dass sich die Gebühren in einigen Ländern schrittweise erhöhen, wenn der Betroffene sie nicht fristgerecht begleicht. So kann beispielsweise ein Überholverstoß in Griechenland bei Überschreiten der 10 Tage-Frist plötzlich 700 Euro kosten. Eine gute Nachricht zum Schluss: Bei Verstößen im Ausland gibt es keine Punkte in Flensburg. Und auch den Führerschein kassieren die deutschen Behörden nicht ein.




Autor: Fabian Thomas

 
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