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21.12.2010

Fahrbericht: Volvo V60

Von Thomas Flehmer
Eine coupéhafte Linie kennzeichnet den V60 Sport Kombi
Foto: Volvo

Volvo und die Lehrer - eine Kombination, die jahrzehntelang Bestand hatte. Die sicheren Fahrzeuge mit den Bezeichnungen 240, 760, 850 oder 940 waren wie geschaffen für Pädagogen, die ihre Schützlinge auf dem Weg zur Reife begleiteten. Die Autos aus Schweden waren mit ihren Kanten und Ecken mitunter wegweisend für die nicht immer leichten Weg der Eleven. Doch spätestens mit dem V60 ist diese Ära passé.

Ohne Ecken und Kanten

Von den Kanten ist nichts mehr übrig geblieben beim dritten Derivat der 60er Baureihe nach dem XC60 und dem S60. Der Kombi, zu dessen Konkurrenten Volvo den Audi A4 oder den 3er BMW Touring zählt, fällt besonders durch die im Trend liegende steil abfallende Hecklinie auf, die dem eigentlichen Lademeister mehr die Verwandtschaft zum Coupé vorgaukeln soll. Die Heckklappe erinnert ein wenig an den C30, den Schneewittchensarg der Neuzeit. Die langgezogenen Heckleuchten verschaffen sich Respekt. Wie bei den Frontscheinwerfern wurden auch am Heck LED-Leuchten eingesetzt.

Enge auf den Rücksitzen

Die Scheinwerfer leuchten mit LED
Foto: Volvo

Recht elegant präsentiert sich auch der Innenraum. Die Materialien wirken wertig, die schwebende Mittelkonsole ist schon von anderen Modellen bekannt. Ebenso die konturlosen Vordersitze, die mehr Seitenhalt vertragen, um dem sportlichen Charakter der Motoren auch gerecht zu werden. Die im Fond befindlichen Personen erleben die Nachteile der coupéartigen Dachlinienform, vor allem dann, wenn die Körpergröße die 1,85 Meter überschreitet. Dann nähern sich die Köpfe sehr stark dem Dachhimmel an. Es ist kein Trost, aber bei der Konkurrenz machen die hinten sitzenden Insassen ähnliche Erfahrungen. Und auch die Beinfreiheit könnte etwas ausgeprägter sein. Man stößt zwar bei normaler Sitzposition nirgendwo an, aber eine beengte Atmosphäre ist vorhanden.

Sieben Motoren zum Start

Prägnantes Heck
Foto: Volvo

Der Laderaum ist mit 430 Litern etwas kleiner als bei den Modellen aus München und Ingolstadt, doch Platz ist auch für das Gepäck einer Kleinfamilie vorhanden. Da für sperriges Gut aber der Beifahrersitz komplett umgelegt werden kann, eignet sich der 4,63 Meter lange Kombi auch gut für den Lastentransport. Allerdings sollte mit Vorsicht an die Sache herangegangen werden, um den wertigen Innenraumcharakter nicht zu beschädigen. Sieben Motoren stehen zum Start am 13. November zur Verfügung, fünf Benziner und zwei Diesel, der sparsame DRIVe kommt im nächsten Frühjahr. Dabei soll vor allem der neue D3 Fünfzylinder-Diesel mit 120 kW/163 PS beim potenziellen Kunden am gefragtesten sein. Der Einstiegs-Selbstzünder agiert sehr gutmütig. Innerhalb von 9,4 Sekunden schaffte es der Volvo aus dem Stand bis zum Tempo 100 km/h, bei 220 km/h ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Die sechs Gänge lassen sich dabei gut einlegen, frühes Schalten bringt den V60 dem angegebenen Wert von 5,5 Litern näher. Das Fahrwerk hält den 1,6 Tonner auch bei sehr sportlich angefahrenen Kurven gut in der Spur. Bei der adaptiven Fahrwerksabstimmung sind dagegen kaum Unterschiede zwischen den drei Modi bemerkbar.

Fußgänger-Erkennung mit automatischer Vollbremsung.

Fußgänger werden erkannt und eine Bremsung eingeleitet
Foto: Volvo

Den Modernisierungen nicht zum Opfer gefallen sind die traditionell gut ausgestatteten Sicherheitssysteme. Neben dem City Safety System, das im XC60 debütierte und Unfälle bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h verhindert oder wenigstens schmälert, verfügt der Sportkombi über eine Fußgänger-Erkennung mit automatischer Vollbremsung. Dabei warnen eine Kamera und ein Radarsystem den Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 35 km/h vor Fußgängern auf der Fahrbahn und leiten notfalls eine Vollbremsung ein. Weitere Sicherheitssysteme sind zum Teil auch serienmäßig an Bord, was Volvo ja schon von jeher auszeichnete und vor allem auch die Lehrer überzeugte. Mit dem V60 hat der schwedische Hersteller den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart solide spannen können. Bei 28.000 Euro startet der 110 kW/150 PS starke Einstiegsbenziner. Der Volvo D3 mit 163 PS leitet bei 32.650 Euro die Preise beim Diesel ein. Um viele Assistenten an Bord zu wissen, muss man die höherwertigen Ausstattungsvarianten Momentum oder Summum wählen.

Liebe zu Volvo als Voraussetzung

Und mit ein paar Annehmlichkeiten dabei sind die 57.000 Euro für einen D5 mit 151 kW/205 PS und Allradantrieb schnell erreicht. Und spätestens bei dieser Ausstattung öffnet sich Volvo einer anderen, besser verdienenden Klientel, das dann neben Sicherheit auch viel Fahrfreude vermittelt bekommt. Doch an diesem Punkt wird auch so mancher Lehrer Abschied von der jahrzehntelang heiß geliebten Marke nehmen oder auf den V50 umsteigen. Oder die jahrzehntelange Liebe hält ein Leben lang.


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