VW Multivan T6 (2015) Test: aufgeputzte Legende oder legendärer Aufputz?

03.09.2015 Alle Testberichte

Der VW Bus darf ohne Vorbehalte als eine automobile Legende bezeichnet werden. Seit 65 Jahren hat er - in fünf Jahrgängen - das Leben von mittlerweile 12 Millionen Kunden und mehreren Generationen geprägt. Nach rund zwölf Jahren ist es jetzt, so hat Volkswagen entschieden, Zeit für eine neue, die sechste Modellserie. Und wir haben die Ehre, den Multivan T6 auf Herz und Nieren zu prüfen.

T6: herausgeputzt & verfeinert


VW T6 2015 Vergleich mit altem BullyOb der Wechsel vom T5 zum T6 nun ein echter Generationensprung oder bloß eine tiefgreifende Modellpflege ist, das soll uns im Test nicht kümmern. Wir wollen wissen, was sich verändert und insbesondere was sich verbessert oder gar verschlechtert hat. Das Design lassen wir dabei links liegen - denn das hat sich zum einen kaum verändert (bis auf die LED-Scheinwerfer und Kleinigkeiten an der Front- und Heckpartie) und es spielt zum anderen kaum eine Rolle. Wir tauchen stattdessen gleich ein in den Riesentransporter für Firmen, Abenteurer und Familien: 4,9 Meter ist der Multivan mittlerweile lang und fast zwei Meter hoch. Damit misst er zwar nur einige Zentimeter mehr als der Vorgänger, doch satte 70 Zentimeter mehr als der T1 aus den 1950ern. Bestellt man den T6 mit langem Radstand, ist es sogar ein ganzer Meter.

Doch die Zeiten und Anforderungen ändern sind - und so muss auch eine Legende mit der Zeit gehen. Gewachsen sind aber nicht nur die Platzbedürfnisse der Kunden, sondern auch deren Qualitätsansprüche. Auf der Qualität lag deshalb auch ein besonderes Augenmerk der Neuentwicklung, vor allem im Innenraum. Ein hochwertigeres Erscheinungsbild und ein merklich verbesserter Bedienkomfort lauteten die vorrangigen Entwicklungsziele - und die hat VW auch erreicht. Der Auftritt des Interieurs hängt natürlich stark davon ab, für welche Ausstattung sich der Kunde entscheidet. Der Innenraum kann etwa in abwaschbarem Hartplastik daherkommen oder mit einem auf Hochglanz polierten Edelarmaturenbrett. Gemeinsam ist den Varianten, dass die Materialien stets äußerst sorgfältig verarbeitet sind, dass das Bedienkonzept harmonischer ist - und dass die Insassen jetzt spürbar bequemer sitzen als zuvor. Außerdem dringt kaum noch ein Motoren- oder Fahrgeräusche in die Fahrgastzelle - eine besondere Form des Luxus in unserer lauten Zeit.

Vielseitiger Fahrgastraum, vielseitige Dieselkraft


VW T6 2015 interieurErhalten geblieben ist dem neuen VW Bus aber auch einiges, bspw. das variable Schienensystem, in dem die Sitzmöbel montiert sind. Dank ihm können die Stühle vielfältig verschoben und in allen nur erdenklichen Konfigurationen zusammengestellt werden. Die mittlere Sitzreihe erleichtert das Erklimmen der hintersten Sitzreihe jetzt mit Hilfe des Easy-Entry-Systems und die Schiebetüren flutschen merklich leichter. Dass es dem T6 nicht an Platz für Insassen und Ladegut mangelt, muss bei einer Fahrgast- bzw. Gepäckraumfläche von 4,3 Quadratmetern wohl nicht gesondert erwähnt werden.

VW T6 2015 hintenEine gesonderte Erwähnung hat sich indes das neue Zweiliter-Dieselkraftwerk verdient, das den VW Bus in vier Leistungsvarianten antreiben darf. Den Vierzylinder-Common-Rail-Diesel mit Abgasturbo haben VWs-Motorengurus komplett neu entwickelt und dabei besonders auf die Effizienz geachtet - fast 15% soll die Kraftstoffersparnis im Mittel betragen. Um das zu erreichen, haben die Ingenieure u.a. die Reibung reduziert, den gesamten Einlasstrakt umgebaut und einen Harnstoff-Abgasreiniger eingebaut. In der niedrigsten Leistungsstufe bringt der Zweiliterdiesel aber nur magere 84 PS und 220 Nm auf die Waage. Wer sich für diese Variante entscheidet, spart zwar Geld, er braucht aber auch viel Geduld: 22,2 Sekunden dauert bspw. der versuchte Sprint von 0 auf 100 km/h, bei 146 km/h geht dem Diesel dann schon die Puste aus. Das andere Ende des Leistungsspektrums markiert die Version mit 204 PS und 450 Nm. Ein zweiter Turbo sorgt hier dafür, dass der T6 in weniger als 10 Sekunden auf Tempo 100 und in der Spitze auf mehr als 200 km/h beschleunigt. Der Verbrauch ist mit 6,1 bis 6,7 Litern nach Norm (160 bis 172 g/CO2) - je nach Getriebe und Antrieb - bzw. mit 8 bis 8,5 Litern im Test trotzdem recht moderat. Der vernünftigste Kompromiss aus diesen beiden Extremen ist aber der 2.0 TDI mit 150 PS: 13 Sekunden für den null-hundert-Sprint und ca. 180 km/h Höchstgeschwindigkeit bei rund 5,7 Normverbrauch unterstreichen diese Annahme. Schneller muss man mit einem VW Bus nicht unterwegs sein.

Fahrwerk: der T6 als komfortabler Pkw


VW T6 2015 PresseskizzenNatürlich kann man schneller: und womöglich ist das der tiefere Sinn hinter dem einzigen Benziner, dem 2.0 TSI mit 204 PS, der den T6 sogar in 9,5 Sekunden von 0 auf 100 davonbrausen lässt. Einen großen Kundenzulauf wird er bei einem NEFZ-Verbrauch von 9 Litern und einem Basislistenpreis jenseits der 50.000 Euro nicht haben. Falls Sie dieser Preis jetzt geschockt hat, können wir Sie aber beruhigen. Den T6 gibt es auch deutlich günstiger und bereits dann ist er mit dem stark verbesserten Fahrwerk unterwegs. Natürlich sind die erstmals erhältlichen adaptiven Dämpfer ein Komfortgewinn, aber auch die Basisabstimmung ist so komfortabel wie noch beim keinem anderen VW Bus. Der fährt sich jetzt wie ein normaler Pkw, allerdings nicht so agil wie die neue V-Klasse von Mercedes. Aber mit Heckantrieb ist leicht wedeln.

Alternativen


Eine wirkliche Alternativen ist nur die  Mercedes-Benz V-Klasse. Ähnliche Modelle hat Ford mit dem Tourneo oder Nissan mit dem Evalia anzubieten.









 
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