Nissan Micra 1.5 dCi im Test (2017): alter Bekannter als neue Alternative?

20.02.2017 Alle Testberichte

Die Hochzeit des Pkw-Diesels, sie scheint vorbei zu sein - vor allem bei den Kleinwagen. Hier ist der Selbstzünder fast komplett aus dem Angebot verschwunden, aber eben nur fast. Denn in der ab März 2017 ausgelieferten 5. Nissan-Micra-Generation brummt auf Wunsch wieder ein Diesel: der 90 PS starke 1.5 dCi. Bei Micra-Stammkunden klingelt da was. Einen 1.5 dCi haben die Japaner zwischen 2005 und 2010 bereits im Micra III installiert. Ob der alte Bekannte eine Zukunft hat, erfahren sie in unserem Testbericht.

1.5 dCi: Vergleich alt gegen jung


nissan-micra-2017-ausen-schraeg-vorneDer alte und der jung Selbstzünder teilen auf den ersten Blick überraschend viele Grundwerte. In beiden Fällen handelt es sich um einen 1.461 Kubikzentimeter großen Reihen-Vierzylinder mit Common-Rail-Einspritzung und Turbolader. Das Verhältnis von Bohrung und Hub -  sprich dem Zylinderdurchmesser und dem Kolbenhub - ist mit 76 zu 80,5 Millimeter ebenfalls identisch. Selbst die zwei zentralen Leistungsdaten gleichen sich wie die von Zwillingen. Der 1.5 dCi des Micra III leistete 86 PS und 200 Nm bei 1.900 Touren; der 1.5 dCi des Micra V drückt 90 PS und - bei 2000 U/min - 220 Nm auf die Kurbel. Handelt es sich etwa gar um den gleichen, nur leicht modifizierten Motor? Nein - wie bei genauerem Hinsehen deutlich wird. Ein erster wesentlicher Unterschied ist das Verdichtungsverhältnis. Während der alte Diesel mit 18,8:1 sehr hoch verdichtete, begnügt sich der neue mit dem für einen Selbstzünder ungewöhnlich niedrigen Verhältnis von 15,5:1.

Nissan Neuwagen günstig kaufen, leasen oder finanzieren

nissan-micra-2017-ausen-schraeg-hintenWas hat es damit auf sich? Grundsätzlich verdichten Dieselmotoren den Kraftstoff möglichst hoch. Zum einen, damit sich der eingespritzte Diesel überhaupt selbst entzündet. Zum anderen, weil eine höhere Verdichtung A) eine höhere Laufruhe sowie B) einen besseren Wirkungsgrad - und damit einen geringeren Verbrauch nach sich zieht. Allerdings hat dies einen Haken. Die höhere Verdichtung produziert mehr schädliche Abgase, nicht zuletzt die jüngst zu unrühmlichem Weltruhm gekommenen Stickoxide. Für sie wurde das erlaubte Limit im letzten Jahrzehnt um 70% gesenkt. Nissan versucht dieser Anforderung nicht nur mit verbesserten Filtern gerecht zu werden - sondern auch mit einer optimierten Motorentechnik. Einer ihrer Grundbausteine: eine möglichst geringe Verdichtung. Dem Problem des unruhigen Laufs begegnen die Japaner, indem sie die Ablassventile vor dem Einspritzen kurz öffnen, um die heißen Abgase in die Zylinder zurückströmen zu lassen. Dieser Kniff erweist sich als Glücksgriff. Der neue Diesel läuft fast so ruhig wie ein Benziner und spricht auch noch ähnlich direkt an.

Neuer Diesel ein Sparfuchs


Der alte Selbstzünder fährt sich im Vergleich dazu - überspitzt formuliert - wie ein träger Traktormotor. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die zentralen Fahrleistungen der beiden Dieselgenerationen wiederum eng beieinander liegen. Der Micra III beschleunigt mit dem alten 1.5 dCi in 11,9 Sekunden von 0 auf 100; und maximal auf 171 km/h. Der Micra V schafft mit dem frischen 1.5 dCi 179 km/h in der Spitze und ebenfalls 11,9 Sekunden beim Referenzspurt. Der Quasi-Gleichstand liegt am Gewichtszuwachs: Der neuen Micra wiegt mit 1.590 Kilo nämlich fast eine halbe Tonne mehr als der alte. Trotzdem: In puncto Agilität kann sich der ehemalige Selbstzünder nicht mit dem neuen messen - ebenso wenig wie in Bezug auf den Verbrauch. Der 1.5 dCi verbrennt jetzt auf dem Norm-Prüfstand 3,2 Liter bzw. 85 g CO2; allerdings nur im Idealfall, d.h. mit Start/Stopp-Automatik, die ab der "Acenta"-Ausstattung für 200 Euro erhältlich ist, mit manueller 5-Gang-Schaltung und 15-Zoll-Pneus; mit 17-Zöllern gönnt er sich 3,8 Liter. Der alte aber verbraucht laut Norm stets gut einen Liter mehr, nämlich 4,6 Liter - genau so viel wie der neue Diesel im Testmittel.

Kurz gesagt: Kleine Unterschiede in der Motorentechnik zeitigen eine große Wirkung. Aber genug von der Vergangenheit, zurück in die Gegenwart. Letztlich muss sich der neue Diesel mit den beiden anderen Motoren im Micra-Sortiment messen. Das ist auf der einen Seite der Basismotor, der 1.0 Dreizylinder-Sauger mit 73 PS; und auf der anderen der 0,9 IG-T, ein 90 PS starker Dreizylinder-Turbobenziner. Der saugende Dreizylinder startet mit einem satten Preisvorsprung von 3.200 Euro ins Vergleichsrennen. Den braucht er auch, denn mit fast 16 Sekunden im 0-100-Sprint und 160 km/h Spitze ist er nicht der Flotteste. Außerdem verbraucht er mit 4,6 Norm-Litern deutlich mehr. Dennoch: Wer weniger als 20.000 bis 25.000 Kilometer im Jahr abspult und mit dem trägen Naturell des Saugers leben kann, fährt mit ihm günstiger. Mit dem Turbobenziner ist das Rennen knapper. Er kostet 2.000 Euro weniger und ist ähnlich flott unterwegs, allerdings braucht er mit 4,4 Litern nach NEFZ ebenfalls um Einiges mehr.

Micra V mit mehr Platz & erweiterter Sicherheit


nissan-micra-2017-innen-vordersitzeWelcher Motor der richtige ist, hängt letztlich vom Nutzungsverhalten und vom verfügbaren Kapital ab. Eines aber gilt als sicher: Der neue Diesel sollte in vielen Fällen eine Überlegung wert sein. Was der neue Micra nun selbst so alles kann, haben wir in unserer ersten Ausfahrt ausführlich getestet. Diese Eindrücke bestätigen sich in der heutigen Testfahrt. Der Nissan Micra V ist dank des Größenzuwachses spürbar geräumiger geworden: für die Insassen wie fürs Ladegut. Für letzteres bietet der Japaner 300 bis 1.004 Liter Platz, fast so viel wie ein Hyundai i20 (326 bis 1.042) und etwas mehr als ein VW Polo oder ein Opel Corsa.

Aufgefrischt und aufgewertet hat Nissan in Generation 5 überdies das Multimedia-Angebot und das Angebot an Assistenzsystemen. Serienmäßig wird u.a. ein Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung, ein Berganfahrassistent sowie eine aktive Spur- respektive  Fahrkomfortkontrolle verbaut. Diese Extras sorgen dafür, dass man mit dem Micra nicht nur komfortabel, sondern auch sicher unterwegs ist. Optionale Assistenten wie der Totwinkel-Warner, der Spurhalte-Wächter und die Verkehrszeichenerkennung tun ihr Übriges.

Technische Daten des Nissan Micra:
PS-Anzahl:min. 73 PSmax. 90 PS
kW-Anzahl:min. 54 kWmax. 66 kW
Antriebsart:Frontantrieb
Getriebeart:Manuell
Kraftstoffart:Benzin oder Diesel
Verbrauch (kombiniert):min. 3,7 l/100kmmax 5,1 l/100km
CO2-Emission:min. 97 g/kmmax. 115 g/km
Effizienzklasse:min. Amax. B
Abgasnorm:Euro 6 (grüne Feinstaub-Plakette)
Listenpreis:ab 12.990 Euro
Link zum Konfigurator:Hier den Nissan Micra konfigurieren

Fazit zum Nissan Micra Test


MeinAuto.de Redakteur: MeinAuto.de Redaktion |
Fazit: Der neue Nissan Micra überzeugt mit moderner Technik, einem hohen Komfort und einem großzügigen Platzangebot. Mit dem frischen 1.5 dCi bietet er zudem eine interessante Antriebsalternative, die in der Kleinwagenklasse mittlerweile zu einer Rarität geworden ist. Bei MeinAuto.de startet der Micra mit dem 1.5 dCi ab 13.478 Euro durch - 22,3% oder umgerechnet gut 3.600 Euro günstiger als gelistet. In der Basisversion kostet er ab 10.990 Euro (nau).

     
5 von 5 Punkten


Nissan Micra Neuwagen über MeinAuto.de konfigurieren

In unsere Autohaus finden Sie noch viele andere günstige Neuwagen - darunter natürlich zahlreiche Kleinwagen wie den VW Polo ab 9.842 Euro und 25,6% Neuwagen Rabatt, den Seat Ibiza ab 10.438 Euro und 28,5%; oder den Hyundai i20 ab 9.100 Euro und 29,8% Preisnachlass. Verschiedene attraktive Optionen der Autofinanzierung können wir Ihnen ebenfalls anbieten, z.B. mehrere lukrative Varianten des Autoleasing.









 
Sie sind hier: Startseite > Tests & News > Testberichte > Nissan Micra 1.5 dCi im Test (2017): alter Bekannter als neue Alternative?
nach oben