Mercedes SL: Das perfekte Cabrio?

21.01.2013 Alle Testberichte

Der neue Mercedes SLDas perfekte Cabrio? Der neue Mercedes SL versucht sich daran. Mit innovativerer Technik, dazu sportiver und leichter als der Vorgänger – Test Mercedes SL 500. 

„SL“ steht seit dem W198, „Gullwing“, von 1954 für „Super Leicht“. Voll gestopft mit Sicherheitstechnik und Hightech-Goodies, gelingt die Leichtigkeit in der siebten Generation zwar nicht mehr im Wortsinn, aber im Vergleich zum Vormodell R230 mit dem 388 PS-V8 steht der neue Mercedes SL (interne Bezeichnung: R231) mit seinem 435 PS-V8-Biturbo dank des Einsatzes von viel Alu und Magnesium rund 140 Kilogramm leichter auf der Straße (Leergewicht: 1.785 kg). Und was er an Masse verliert, gewinnt er an Dynamik hinzu. Was wiederum am neuen Fahrwerk liegt (spielerisches Einlenken, gutes Handling, hochverbindliche Verzögerung) und am prachtvollen Motor.

Viel Hubraum und zwei Lader – damit schwingt sich der Stuttgarter auf zu neuen Höhen. Der 4,7 Liter-V8-Biturbo mobilisiert seine 700 Nm Drehmoment konstant zwischen 1.800 und 3.500 U/min. Damit ist die Fahrt höchst selbstverständlich schnell (0 auf 100 km/h in 4,6 s, 250 km/h elektronisch abgeregelt) und auch die Akustik erste Sahne. Nach dem Kaltstart sehnig-unruhig V8-brabbelnd, untermalt von hohem Laderpfeifen. Beim Cruisen fundamental untermauert und massiv am Ohr, wenn die volle Schlagkraft des Triebwerks angefordert wird. Dann setzt es den Wutausbruch und wuchtigen Punch der Gelassenen. Testurteil: Das ist, in Kombination mit der schlafwandlerisch-souverän die Stufen wechselnden Siebengang-Automatik und dem angesichts soviel Power akzeptablem Testverbrauch (12,5 Liter/100 km), himmlisch.

Der neue Mercedes SL SeiteUnd wenn der Fahrer vom Himmel schwärmt, betätigt er den Schalter des Verdecks. Darauf geschieht alles elektrisch, sämig und leise. In 20 Sekunden sitzt man in den bequemen Dynamiksitzen im Freien (Kurve links: Sitzwangenunterstützung von rechts, Kurve rechts: Sitzwangenunterstützung von links). Das Haar bleibt auch bei 200 km/h fein in Form. Und der Fahrer, selbst wenn´s draußen kühl wird. Dank guter Abschottung, Windschott und der kuscheligen Nackenheizung „Airscarf“.

Geschlossen genießt man das sich situativ abdunkelnde Panoramaglasdach und ohne Zuzahlung die gute Übersicht seitlich (keine B-Säule). Das ABC-Fahrwerk agiert in „Comfort“ klasse, geschmeidig und kommod. Wie mit der Luftfederung und der Wankstabilisierung, adaptiert sich der SL permanent an seinen Halter: Mercedes baut ihn, aber der SL-Besitzer bestimmt nach Gusto mit zahllosen Parametern, wie sich das in Fahrt anzufühlen hat. Das fängt beim Sitzen (vierstufige Massagefunktion, Dynamikeinstellung, Lordosenstütze, Sitzheizung und -belüftung) und der Klimatisierung an (direkt bis diffus) und setzt sich ganz hinten im Kofferabteil fort.

Der neue Mercedes SL InnenUnd was Kofferraum und gutes Wetter miteinander zu tun haben? Viel. Aus viel Platz (Volumen: 381 Liter) wird dann wenig, und das nur flach (241 Liter). Ansonsten ist Verzicht im SL ganz und gar nicht angesagt, sondern oberklassige Moderne. Das Wichtigste gehört zum Paket. Von den crashaktiven Kopfstützen, dem Überrollschutz, der aktiven Motorhaube bis hin zum neuen Wischersystem "Magic Vision Control". Damit kommt das Spritzwasser erst unmittelbar vor der Scheibenwischerlippe auf die Windschutzscheibe und die selbst verschuldete Dusche bei Offenfahrt fällt aus. Und der Fahrer zuvor hoffentlich nicht aus den Latschen: 117.000 Euro fordert Mercedes für den SL 500 – wohl das einzige, was für manchen dann doch nicht so perfekt ist. (le)









 
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