Mazda 3, Kia Cee’d & Seat Leon Test: drei kompakte Rabauken im Vergleich

12.12.2013 Alle Testberichte

Der Mazda 3 ist in der dritten Auflage gerade frisch in die deutschen Autosalons eingezogen, der Seat Leon und der Kia Cee'd hingegen, sie bewähren sich bereits seit rund einem Jahr auf der Straße. Gemeinsam ist den dreien, dass wir sie zu einem Vergleichstest eingeladen haben.

Imposanter Auftritt


Seat Leon Mazda 3 Kia ceed TestDie stolz geschwellte Brust, die uns auf dem Parkplatz entgegentritt, sie gehört dem Mazda 3. Der Stolz kommt dabei nicht von ungefähr, denn die japanischen Autoschmiede haben an ihrem wichtigsten Eisen im Automarkt-Feuer sowohl optisch wie technisch kräftig geschmiedet.

In seiner Form ist der "3er" nun ebenfalls von Mazdas neuer Designsprache "KODO" geprägt, die mit athletisch-beschwingten Linien mehr Emotionen wecken will. In unseren Augen gelingt das auch sehr gut, nicht zuletzt dank der tief eingeschnittenen Scheinwerfer, der ausgedehnten Frontpartie und der muskulösen Radkästen.

Die Überarbeitung von Blechkleid und Karosserie diente jedoch nicht nur ästhetischen Zwecken, sie zielt auch auf Fortschritte in der Effizienz ab. So hat der kompakte Mazda - bei weitgehend unveränderten Abmessungen - 70 Kilo an Gewicht verloren und einiges an Windschlüpfrigkeit zugelegt (cw-Wert 0,275). Das schlägt, wie wir noch sehen werden, beim Verbrauch positiv zu Buche, das Platzangebot im Inneren profitiert davon jedoch nicht.

Seat Leon FR Test hintenSo nimmt vor allem die um 10 Zentimeter nach hinten versetzte A-Säule den Insassen Platz weg. Im um 20 Zentimeter kürzeren Seat León und im um 15 Zentimeter kleineren Kia Cee'd können wir uns ebenso frei bewegen. Im Mazda 3 ist zudem auf der Rückbank einiges an Sitzkomfort verloren gegangen, da im Zuge der Abmagerungskur auch die Polsterung um 7 Kilogramm erleichtert wurde. Sehr bequem und fest sitzen wir hingegen im spanischen Golf, recht unkomfortabel wiederum im Cee'd von Kia.

Sauger oder Turbo?


Doch genug herumgesessen, jetzt ist es Zeit für ein wenig Bewegung. Im jüngsten Kompaktklassen-Mazda fungieren zwei neuentwickelte Saugmotoren als benzingedopte Antreiber, ein Vierzylinder mit 1,5 und zwei mit jeweils 2 Litern Hubraum. Mazdas Motoren-Gurus stemmen sich damit gegen den allgegenwärtigen Downsizing-Trend - und setzen selbstbewusst auf Hubraum, hohe Verdichtung (14,0:1) und homogene Kraftentfaltung.

Mazda 3 Test hintenDie ersten Tritte aufs Gaspedal zeigen uns, dass dieses Konzept so falsch nicht sein kann. Bereits der 1,5 Liter Skyactiv G 100 mit 100 PS und 150 Nm Spitzendrehmoment treibt den Mazda 3 lebendig voran; der Standardsprint von 0 auf 100 km/h gelingt etwa in weniger als 11 Sekunden. Für einen guten Durchzug benötigt der kleine Benziner allerdings die Hilfe eines fleißigen Schaltarms, der das knackige Sechsgang-Getriebe bei Laune hält. Die Zweiliter-Varianten des Saugers heben sich übrigens in puncto Spritzigkeit und Durchzug - trotz 120 bzw. 165 PS - nicht wesentlich vom Basisbenziner ab.

Überzeugend gelingt das hingegen dem aufgepumpten Turbobenziner des Seat León, der aus 1,8 Litern Hubraum und 4 Zylindern 180 PS und 250 Nm Drehmoment zaubert - und in 7,5 Sekunden auf Tempo 100 davonsprintet. Nicht mithalten kann hier der Cee'd von Kia, der ebenfalls mit einem Saugmotor zum Test angetreten ist. Sein 135 PS starker Vierzylinder hält das Sprintniveau des kleinen Mazda-Saugers, muss dafür aber tiefer in den Tank blicken: 6,1 Liter verbrennt er bspw. auf 100 Kilometer, während der 1,5 Liter Skyactiv dank des serienmäßigen Start-Stopp- und Rekuperationssystems auf 5,1 Liter kommt.

Der Turbobenziner des León macht hier nur theoretisch, sprich im NEFZ-Verbrauch, eine ähnlich gute Figur. Im Test konnten wir die versprochenen 5,9 Liter nicht annähernd reproduzieren.

Sportliche Härte oder schwammiger Komfort


Motorisch kann der neue Mazda 3 die äußerlich so freimütig angekündigte Dynamik also nicht ganz erfüllen; das Fahrwerk aber lässt es nirgends an Spitzigkeit mangeln. Hinten auf eine überarbeitete Multilink-Achse und vorne auf neue McPherson-Federbeine gestellt, stemmt sich der kompakte Japaner selbst forschen Richtungswechseln neutral entgegen. Erst das baldige Nahen der Haftungsgrenze kündigt sich mit sachtem Untersteuern an. Leider hat Mazda auf der Suche nach der Fahrdynamik aber auf den Komfort vergessen, denn auf Unebenheiten reagiert der Mazda 3 ausgesprochen holprig.

Kia ceed Test hintenDiese Eigenschaft teilt er mit dem ebenfalls sportlich und recht hart abgestimmten Seat León. Mit dem Kia Cee'd sind wir hingegen bequemer, allerdings auch unbeholfener unterwegs: seine Servolenkung meldet sich nämlich erst nach mehrmaligem Nachfragen.

Alles in Allem hatten wir es im Test mit drei gelungenen Kompaktwagen zu tun: Das beste Paket ist unserer Meinung nach der Seat León, der hohe Agilität, saubere Verarbeitung und einen niedrigen Preis unter einen Hut bringt. Der neue Mazda 3 ist ihm dicht auf den Fersen: er überzeugt mit frischer Optik, sparsamen Motoren und unzähligen Sicherheitsassistenten. Der Kia Cee'd ist zwar nicht ganz so ausgefeilt wie seine Konkurrenten, dafür besticht er mit dem meisten Platz, der längsten Garantie - und dem geringsten Preis. (nau)









 
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