Ford Focus 1.0 EcoBoost Test: Zaubermotor oder Wundertüte?

23.08.2013 Alle Testberichte

Ford Focus 1.0 EcoBoost 2013Auf der einen Seite stehen 998 Kubikzentimeter, 3 direkt eingespritzte Zylinder und ein Turbolader - auf der anderen Seite ein knapp 1.300 Kilogramm wiegender Kompaktwagen namens Ford Focus. Dazwischen steht die brennende Frage, ob diese Gleichung in allem Ernst aufgehen kann. Unser Test soll sie beantworten.

Bevor wir uns jedoch mit dem vermeintlichen Zaubermotor auseinandersetzten, wollen wir zunächst die übrigen Teile des neuen Ford Focus inspizieren. Er debütierte auf dem deutschen Automarkt im Jahr 2011 in seiner dritten Auflage und kam mit zahlreichen interessanten Neuerungen daher.

Frisches Design in Bewegung


Als erstes sticht dabei der frische Blechanzug ins Auge, der unter der Marke "kinetic Design" angeboten wird. Kinetik, erinnern wir uns unserer Schulzeit, das hat irgendetwas mit Bewegung zu tun. Wir schließen daraus: Ford will mit dem Gleichklang auf eine neue Dynamik verweisen - und sieh' da! Durch das flache, aerodynamische Profil, die modifizierte Motorhaube und die schwungvoll geformten Heckleuchten strahlt der Focus tatsächlich mehr Drang zur Bewegung aus. So ist jedenfalls unser subjektiver optischer Eindruck.

Konkreter werden die Eindrücke dann im Innenraum, wo Fords Ingenieure ebenfalls Hand angelegt haben, aber ein weniger glückliches Händchen bewiesen. Als Hauptmakel kristallisiert sich hierbei die Bedienung des kompakten Amerikaners heraus. Die Mittelkonsole gleicht einem Knopf-Salat, zentrale Schalter gehen unter oder sind, wie der fürs Licht, ungeschickt positioniert - und die Menüstruktur des Navis bräuchte eigentlich ein eigenes Navigationsgerät.

Ford Focus 1.0 EcoBoost 2013 SeiteVerarbeitet ist der Innenraum jedoch sorgfältig und passgenau, die Materialien sind von guter Qualität - und das Platzangebot treibt selbst klaustrophoben Naturen keine Schweißperlen auf die Stirn. Dass die Insassen bei einem allfälligen Ausflug dann auch mit Gepäck reisen können, dafür sorgt der 363 Liter große Kofferraum.

Schwungvoller Antrieb auf Diät


Als wir uns mit den grundlegenden Bedienfunktionen des Ford Focus schließlich vertraut gemacht haben, gehen wir daran, den neuen EcoBoost-Motor in seiner kleinsten Ausführung, mit 3 Zylindern und 1 Liter Hubraum, abzuklopfen. Denn so ohne weiteres wollen wir nicht glauben, dass ein mickriges Einliter-Aggregat ein Kompaktklassefahrzeug mit genug Schwung antreibt und dass ein Dreizylinder nicht alle Plomben aus dem Fahrer rüttelt.

Der 1.0 EcoBoost-Benziner braucht allerdings nicht viele Kilometer, um uns von seinen Qualitäten zu überzeugen. Sowohl im Leerlauf wie mit tief durchgetretenem Gaspedal knurrt der Dreizylinder so sanftmütig und vibrationsfrei vor sich hin, dass es jedem Vierzylinder zur Ehre gereichen würde.

Die letzten Geheimnisse dieser unverhofften Überraschung liegen im Kölner Entwicklungsstandort wohl gut in einem Tresor versteckt, einiges haben Fords Motorenbaumeister aber doch verraten. So verfügt der 1.0 EcoBoost-Motor über einen besonders wirkungsvollen Turbolader, über Hochdruck-Einspritzdüsen, mit denen der Kraftstoff präzise dosiert werden kann; und über eine unwuchte Schwungscheibe, die der Kurbelwell die Vibrationen austreibt.

Ford Focus Cockpit 2013Getestet haben wir den Ford Focus zunächst mit dem stärkeren der beiden Einliter-EcoBoost-Motoren, der 125 PS und ein Spitzendrehmoment von 200 Nm vorweisen kann. 11,3 Sekunden braucht der Focus mit ihm, bis er Tempo Hundert erreicht, und 5,7 Liter im Testschnitt, um 100 Kilometer abzuspulen. Auf der Autobahn sind es bei gleichmäßigem Tempo (um 120 km/h) sogar nur 4,9 Liter, und 6,8 Liter waren es in der Stadt.

Der schwächere Turbobenziner tut sich, bei 101 PS und einem maximalen Drehmoment von 170 Newtonmetern, mit dem 1,3-Tonner schon schwerer, insbesondere auf Überlandfahrten. In der Stadt gibt er sich allerdings keine Blöße, trotzdem ist für uns der stärkere Dreizylinder die bessere Wahl, da der Kleine auch keine Verbrauchsvorteile bringt.

Kurvensicherer Kompaktwagen mit Zuverlässigkeit


Dass Ford bei der Fahrwerksabstimmung und der Lenkung sein Handwerk meisterhaft versteht, das ist weithin bekannt. Von den Fahreigenschaften des Focus waren wir deshalb auch nicht überrascht - doch sehr wohl aufs Neue angetan. Wer den Kompaktwagenklassiker selbst durch das Kurvengeschlängel manövriert und trotz der strammen Federn jeder Querrille gelassen entgegensieht, wird unser Vergnügen nachempfinden können.

Nicht immer eine Quelle der Begeisterung ist bei Ford hingegen die Zuverlässigkeit. Der neue Focus darf sich diesbezüglich aber als Ausnahmekönner rühmen, hat ihm die DEKRA 2013 doch die beste Mängelbilanz in seiner Klasse attestiert. In dieser Hinsicht überzeugt uns der Focus damit ebenso wie in der Kategorie Sicherheit, wo er vor allem mit einem Bündel elektrischer Helfer (Müdigkeitswarner, Fahrspur-Assistent, Auffahrwarnsystems, etc.) aufzeigt.

Aufhorchen lässt der kompakte Amerikaner abschließend auch mit seinem Preis. Den Ford Focus 5-Türer gibt es mit dem stärkeren der beiden 1.0-EcoBoost-Motoren auf MeinAuto.de ab 14.269,75 Euro, den 4-Türer schon ab 13.088,13 Euro. (nau)

Auch zum Kleinwagen von Ford haben wir einen Test veröffentlicht. Hier geht's zum Test: Fiesta 1.0 Liter EcoBoost Test

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