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Fahrbericht: Skoda Fabia

Von Kai Kolwitz
Dynamisch-pragmatisch: Skoda Fabia
Foto: Werk

Den Vergleich mit Ikea bemühten die Skoda-Oberen bei der Vorstellung der zweiten Generation des Fabia, die im März zu den Händlern kommen soll. Motto: Gut und teuer ist einfach, pfiffig und preiswert braucht dagegen mehr Hirnkapazität.

Häher und länger als der Alte

Denn was für Betten und Schränke aus Schweden gilt, das hat sich auch der tschechische Hersteller für den Nachfolger des erfolgreichen Kleinwagens auf die Fahnen geschrieben. Einen Einstieg unter 10.000 Euro, wie beim Vorgänger, will man zwar nicht in Aussicht stellen, aber, so Vorstandsvorsitzender Detlev Wittig leicht mysteriös: "Wenn man veränderte Ausstattungen und Motoren berücksichtigt, dann haben wir nicht vor, das bisherige Preisniveau zu verlassen." Das kann vieles bedeuten - genaues zum Preis will man allerdings erst auf dem Genfer Autosalon im März verraten, bei dem der neue Fabia zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Dafür ist die Form schon seit Dezember bekannt: Prägnante Front mit in die Karosserie integriertem Stoßfänger und den vom Roomster bekannten, weit in die Kotflügel gezogenen Scheinwerfern, weniger Chrom am Grill als der Vorgänger, dafür am Heck ein angedeutetes Bürzelchen, ein markanter Knick als Gürtellinie und um größtmögliche Unsichtbarkeit bemühte und schwarz gehaltene A- und B-Säule.

Mut zum Bürzel: Das Heck des Fabia
Foto: Werk

Optisch zieht das den Wagen auseinander - und kompensiert damit die Tatsache, dass der gedrungene Fabia bei gleichen Radstand nicht nur um gut 20 Zentimeter in der Länge, sondern vor allem auch um vier Zentimeter in der Höhe gewachsen ist - das soll Platz im Innenraum schaffen und Erwachsenen im Fond durch höhere Sitzposition und mehr Kopf- und Kniefreiheit Bewegungsspielraum verschaffen.

Viele gute Ideen für den Krimskrams

Das ideale Shuttle-Fahrzeug für das Basketball-Team ist der knapp vier Meter lange Fabia damit allerdings immer noch nicht: Überschreiten sowohl Fahrer als auch Hintensitzer die 1,80 Meter Körpergröße, dann nehmen die Knie Kontakt zum Vordersitz auf - im Kleinwagensegment aber eher die Regel als die Ausnahme. Ansonsten präsentiert sich der Innenraum vor allem als sachorientiert kombinierter Mix aus wohlbekannten Komponenten aus dem Volkswagen-Universum: Nichts, was Anlass zur Klage böte, aber Designpreise wird das Fabia-Interieur damit wohl auch nicht gewinnen.

Mix aus Volkswagen-Komponenten: Der Fabia-Innenraum
Foto: Werk

Dafür zeigt sich hier, was die von den Skoda-Entwicklern versprochenen cleveren Lösungen sind: Eine Fülle von Ablagen und Abstellflächen, die dem Fahrer zum Beispiel die Wahl lassen, ob sich die Wasserflasche nun besser in der Türtasche oder in der Mittelablage macht, Taschenhaken im mit 300 Litern Fassungsvermögen als klassengrößter Kofferraum beworbenem Gepäckabteil. Dazu ein ebenso simpler wie praktischer Plastikkorb in Schallplatten-Dimension am rechten Radhaus, der den üblichen Krimskrams am Hin- und Herfliegen hindern soll und ebenso pragmatisch-dünne Gummibänder über den Türtaschen, mit denen sich zum Beispiel Straßenkarten fixieren lassen. Ärgerlich nur, dass der Testwagen mit vielfältigem Knarzen aus allen möglichen Ecken der Innenverkleidung nervte - nach Aussagen von Kollegen in anderen Fahrzeugen allerdings wohl ein Ausreißer in der Testwagen-Flotte. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig: Der optional erhältliche Multifunktionshebel sitzt so nah am Blinker, dass man im Eifer des Gefechts gern mal daneben greift. Legt man die Rückbank übrigens um, so steigt der Stauraum auf Waschmaschinen-kompatible 1163 Liter.

Wenig Rückmeldung von Fahrwerk und Bremse

Für den Hersteller soll der Fabia gleich in zwei Segmenten punkten: Hierzulande vor allem als Einkaufstasche, Zweitwagen oder pragmatisches Fortbewegungsmittel für den Weg zur Arbeit wahrgenommen, will Skoda mit dem Neuen auch für Mobilität in Schwellenländern sorgen. Bereits in Betrieb genommene oder geplante Werke in Indien, Kasachstan oder China unterstreichen diesen Anspruch.

Natürliches Revier: Hierzulande dürfte der Fabia gern als Zweitwagen genutzt werden
Foto: Werk

Und irgendwie auch, wie sich der neue Fabia fährt: Er bewegt sich fort, grundsolide, aber auch ohne dabei große Emotionen beim Fahrer zu wecken - auch mit dem 105 PS starken, altbekannten 1,9-Liter-TDI-Aggregat, das zusammen mit dem gleich starken 1,6-Liter-16-Ventiler-Benziner die Krone der Fabia-Motorisierung bildet. 190 Stundenkilometer Spitze gibt der Hersteller für beide an, allerdings ist das Fahren bei diesem Tempo auf der Autobahn ziemlich indifferent: Das Fahrwerk macht es, obwohl nicht gerade weich, schwer einzuschätzen, wie viel Reserve gerade in Kurven und bei welligem Belag noch vorhanden ist. Auch Bremse und Kupplung bieten keinen präzisen Druckpunkt, so dass ein vages Gefühl bleibt.

Beim Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen in der City wird das aber niemanden st"ren. Dafür punktet der Fabia hier mit kleinem Wendekreis, serienmäßiger Servolenkung und ausgesprochen handlichem Fahrgefühl auch in engen Innenstädten. Für diesen Einsatzzweck k"nnte es dann wohl auch einer der fünf kleineren Motoren sein, die Skoda ebenfalls für den Fabia anbietet: Zwei weitere Diesel mit je 1,4 Litern Hubraum, drei Zylindern und 70 / 80 PS (Rußfilter gegen Aufpreis und nur für die 80 und 105 PS-Version verfügbar) sowie drei Benziner: 60, 70 und 86 PS holen die Aggregate aus 1,2 beziehungsweise 1,4 Litern Hubraum.

ESP nur gegen Aufpreis

Sechs Airbags, ABS und Gurtstraffer zählen bei allen Fabias zur Serienausstattung, wer Wert auf Klimaautomatik legt, sollte über die hochwertigste Ausstattungslinie "Elegance" nachdenken, die außerdem Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Leichtmetallräder und elektrische Fensterheber vorn bietet. Nur gegen Aufpreis kommt der Fabia dagegen mit ESP-Stabilitätsprogramm (nicht für die Basismotorisierung), auch zwei Kopfairbags oder Goodies wie Kurven- und Abbiegelicht oder Navigationssystem erfordern Kreuzchen in der Aufpreisliste. So präsentiert sich Skodas neuer Kleiner als solides Angebot für alle diejenigen, die einfach auf der Suche nach einem fahrbaren Untersatz und nicht bereit sind, für handschmeichlerisches Griffgefühl oder Design-Gimmicks mitzubezahlen. Wie gut der Fabia allerdings wirklich im Rennen liegt, das wird sich erst erweisen, wenn der Hersteller verrät, was der Wagen kosten wird.

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