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Fahrbericht: Renault Kangoo be bop Z.E.

Von Thomas Flehmer
Der Elektro-Prototyp Renault Kangoo be bop Z. E.
Foto: Renault

Man kennt das Summen aus den Discountern, wenn auf den elektrischen Ameisen die Lebensmittelpaletten transportiert werden. Mit einem ähnlichen Geräusch setzt sich der Renault Kangoo be bop Z. E. (Zero Emission) in Bewegung. Der auf Lifestyle getrimmte Kastenwagen ist der erste erlebbare Beweis französischer Elektromobilität. In zwei Jahren sollen mit dem Kangoo Express und dem Megane mit Stufenheck die ersten beiden Elektrofahrzeuge in Serie gehen. "Hauptsächlich für Flottenkunden und Pendler werden das Nutzfahrzeug und der PKW gedacht sein", sagt Christine Tissot, Leiterin für Kooperationsgeschäfte bei Renault.

Drehmoment von Beginn an

Der auf dem Autosalon in Genf vorgestellte Elektro-Kangoo ist der Vorbote, dass Renault bei der Entwicklung des alternativen Antriebs weit vorangeschritten ist. Kein Motorenlaut ist zu hören, wenn der Zündschlüssel umgedreht wird, kein Zittern schüttelt die Karosserie. Lediglich zwischen drei Schaltstufen (vorwärts, rückwärts und neutral) kann der Fahrer wählen und anschließend die lautlose Fahrt beginnen. Die 190 Newtonmeter des Prototypen stehen dabei von Beginn an und immer zur Verfügung, sodass der Kangoo eher wie ein gut bestückter Kompaktwagen beschleunigt und gar kein Kastenwagenphlegma versprüht. Bis zu einer abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h geht die leise Fahrt des Franzosen, der von einem 44 kW/60 PS-Elektromotor angetrieben wird. Dank einer Lithium-Ionen-Batterie, die in Unterflur-Bauweise keinen Platz im Kofferraum benötigt, mit einer Kapazität von 15 Kilowatt-Stunden schafft der Kangoo eine Reichweite von 100 Kilometern. Bis zum Serienstart soll die Technologie so weit vorangetrieben sein, dass 160 Kilometer geschafft werden, ehe die Batterie des reinen Elektrofahrzeugs aufgeladen werden muss. Dieses passiert an einer hauseigenen Steckdose über Nacht, an einer Schnellladestation innerhalb von 30 Minuten oder durch einen Austausch der Akkus, den Renault in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Better Place des ehemaligen SAP-Managers Shai Agassi anbieten wird und der innerhalb von drei Minuten über die Bühne gegangen ist.

"Reichweite nicht das Problem"

Das Drehmoment steht von Beginn an zur Verfügung
Foto: Renault

Dabei ist die vermeintlich geringe Reichweite laut Tissot "nicht das Problem". Von 1994 bis 1996 hatten Renault sowie PSA Peugeot Citroen in einem Feldversuch die Bürger von La Rochelle mit Elektrofahrzeugen ausgestattet, die lediglich 60 Kilometer zwischen den Ladevorgängen zurücklegen sollten. Damals galten die "schweren und zum Teil unzuverlässig agierenden Batterien" als hinderlich. Die 60 Kilometer Reichweite reichten dagegen vollkommen aus.

Teure Batterien

Grüne Farbtupfer unterstreichen den ökologischen Anspruch
Foto: Renault

Doch auch 13 Jahre später gibt es Hindernisse für Elektrofahrzeuge. Besonders das Fehlen einer intakten Infrastruktur mit öffentlichen Ladestationen sowie die Herstellung des benötigten Mehr an Strom lassen Skepsis zurück. Und auch die Preisstruktur wird so manchen abschrecken. Denn noch sind die Batterien, die zudem nur einen Lebenszyklus von sechs Jahren aufweisen, sehr teuer. Renault hofft auf staatliche Förderungen, um Anreize bieten zu können. Zugleich verweist Tissot darauf, dass die Unterhaltskosten gegenüber einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor um ein Vielfaches niedriger liegen. "Nicht nur der Strom ist gegenüber Benzin oder Diesel günstiger, auch fallen Serviceaktionen wie Motorölwechsel weg." So soll sich ein höherer Anfangspreis im Laufe der Jahre amortisieren. Exakte Zahlen möchte Tissot aber noch nicht nennen.

Fünf Millionen Ladestationen

Vier neue Modelle geplant
Foto: Renault

Allerdings ist Renault vom Erfolg überzeugt. 2011 ist ein Verkaufsziel zwischen "1000 und 10.000 Einheiten angedacht, ein Jahr später wollen wir in den sechsstelligen Bereich", sagt Tissot, "wir sind schließlich auf Massenproduktion ausgelegt." Dafür sollen im europäischen Bereich auch noch neue Produktionsstandorte entstehen. Zudem folgen den beiden Vorreitermodellen 2011 ein kleiner Stadtwagen im A-Segment sowie ein Jahr später ein völlig neues Modell, das zwischen Clio und Modus platziert ist. Und auch die französische Regierung forciert die Elektromobilität. So wurde jüngstens beschlossen, in den kommenden Jahren fünf Millionen öffentliche Ladestationen zu installieren, von denen sicherlich nicht nur die Fahrzeuge von Renault profitieren sollen. In Deutschland ist man von solchen Verhältnissen noch weit entfernt. Für 2011 wurde die Einführung des Elektroautos Opel Ampera angekündigt, über ein paar Feldversuche sind die Hersteller bisher nicht hinausgekommen, an eine Art von Infrastruktur ist aber überhaupt noch nicht zu denken. So wird man vorerst mit dem Summen der Ameisen im Supermarkt Vorlieb nehmen müssen.


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