Wie lässt sich der Wiederverkaufswert des Autos steigern?

09.05.2014 Alle Ratgeber

Der Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland ist riesig. Die als Neuwagen erworbenen Fahrzeuge sind häufig wenige Monate nach dem Kauf bereits erschwinglich. Gebrauchtwagenkäufer können sich nicht selten über ein Schnäppchen freuen: z. B. über einen Wagen, der nach drei Jahren nur noch rund 50 Prozent des ursprünglichen Preises kostet. Aus Sicht der Verkäufer, die ihren Pkw als Neuwagen gefahren haben, ist der hohe Werteverlust ein großes Ärgernis. Die enorme Konkurrenz bei Second Hand Autos erschwert die Verkaufssituation oft zusätzlich.

Wie erziele ich den gewünschten Wiederverkaufswert?


Wer sich sicher ist, dass er seinen Neuwagen in absehbarer Zeit wieder verkaufen will, z. B. um in die kommende Pkw-Anschaffung zu investieren, sollte sich beim Kauf Gedanken darüber machen, welches Auto mit welcher Ausstattung voraussichtlich auch noch in den kommenden Jahren den Ansprüchen der Kunden genügt bzw. zeitgemäß ist. Die "richtigen" Entscheidungen hinsichtlich Fahrzeugsegment, Karosseriefarbe und Ausstattungsumfang können großen Wertverlusten entgegensteuern. Auch der richtige Verkaufszeitpunkt sowie die Pflege und Aufbereitung des Fahrzeugs vor dem Verkauf nehmen Einfluss auf den erzielbaren Wiederverkaufswert.

Selbstredend sollten Neuwagenkäufer ihre eigenen Bedürfnisse und Anforderungen an das Auto nicht vollständig zurückstellen, nur um auf einen hohen Wiederverkaufswert zu spekulieren. Tipps zur Steigerung des Verkaufspreises besitzen garantiert auch keine Allgemeingültigkeit. Dennoch empfiehlt es sich, die Trends auf dem Automobilmarkt nicht vollständig zu vernachlässigen und einige Pflegehinweise für den Pkw zu beachten. Ergebnisse von Prognosedienstleistern können sich im Falle mancher Kaufentscheidungen als hilfreich erweisen. Beispielsweise küren FOCUS Online und "bähr & fess forecasts", einer der führenden Anbieter von Restwertprognosen, jährlich die Restwertriesen unter den Neuwagen, also diejenigen Pkw-Modelle, die ausgehend vom heutigen Kaufzeitpunkt in vier Jahren den geringsten Wertverlust aufweisen. Als sinnvoll erweist es sich zudem, Beurteilungen zur Sicherheit des Wagens zu berücksichtigen, in erster Linie zum persönlichen Schutz, aber auch, weil viele potenzielle Käufer gerade auf dieses Kaufkriterium besonders hohen Wert legen. Orientierung bietet hier beispielsweise das Europäische Neuwagen-Bewertungs-Programm, unter der Bezeichnung EURO NCAP-Crashtest bekannt. Ein Beurteilungsergebnis von mindestens vier der fünf erreichbaren Sterne schafft ein gutes Gefühl in puncto Sicherheit.

Das richtige Fahrzeug: klein, groß, familienfreundlich, sportlich, klassisch?


Der neue VW Touran 2013
Ein Familienauto oder ein Sportwagen?


Beim Neuwagenverkauf steht die Frage nach dem Fahrzeugsegment an erster Stelle. Wieder gilt hier natürlich, dass die eigenen Anforderungen im Mittelpunkt stehen sollten. Oder anders ausgedrückt: Wer ein Familienauto sucht, sollte keinen Sportwagen kaufen. Allerdings haben sich in den vergangenen Jahren besonders kompakte SUV und Kleinstwagen (Citycars) als wertstabil erwiesen. Für Sportwagen und Cabriolets finden sich häufig Liebhaber, die sich den Wunsch vom "Traumauto" erfüllen. Schwieriger hingegen steht es um den Second Hand Markt von Limousinen. Mit Blick auf den Wiederverkauf können sich ein Van oder Kombi im klassischen Familienfahrzeugbereich derzeit als rentabler erweisen.

Serienausstattung und Extras: Was bedeutet "angemessen", was zahlt sich aus?


Bei der Wahl der richtigen Ausstattung zur Minderung des Wertverlusts gibt es gespaltene Meinungen. Zudem unterscheiden sich die Mindestanforderungen und Kundenansprüche enorm in Abhängigkeit von der Fahrzeugklasse. Einig ist man sich doch zumeist bei den folgenden Punkten, die über alle Segmente hinweg gelten:  Zur Basisausstattung eines jeden Pkw sollten ein Radio, eine Klimaanlage, eine Servolenkung, eine Metallic-Lackierung, ein höhenverstellbarer Fahrersitz, elektrische Fensterheber für vorne und eine Zentralverriegelung gehören. Das Fehlen eines oder gar mehrerer dieser Elemente kann zu erheblichen Preiseinbußen beim Wiederverkauf führen. Erfahrungsgemäß lässt sich eine serienmäßige Klimaanlage häufig schon für einen geringen Aufpreis gegen eine Klimaautomatik austauschen, die sich später als Verkaufsvorteil erweisen kann. Bei der Sicherheitsausstattung legen viele Käufer Wert auf das Vorhandensein von Antiblockiersystem ABS, elektronischem Stabilitätsprogramm ESP, Antischlupfregelung ASR und mehreren Airbags. Fahrerassistenzsysteme scheinen den Wiederverkaufswert bisher nur in geringem Ausmaß zu beeinflussen, d. h. der Anschaffungspreis steht häufig nicht in Relation zum Wiederverkaufswert. Generell ist zu bedenken, dass der Werteverlust bei den optional erworbenen Extras in der Regel noch drastischer ist als bei dem Auto im Allgemeinen.

Im Kleinst- und Kleinwagensegment sowie in der Kompaktklasse bringen teure Ausstattungsergänzungen wie Ledersitzbezüge und Navigationssystem oder ein Automatikgetriebe erfahrungsgemäß keine großen Vorteile beim Wiederverkauf. Dies könnte daran liegen, dass Käufer dieser Fahrzeugklassen häufig ein "einfaches, solides" Fortbewegungsmittel suchen und über beschränkte finanzielle Mittel verfügen, die sie möglichst effektiv einsetzen möchten.

In der Mittelklasse und spätestens ab der oberen Mittelklasse kann Komfortelementen hingegen eine bedeutende Rolle bei der Steigerung des Wiederverkaufswertes zukommen. Einparkhilfe, Tempomat, Leichtmetallfelgen und Automatikgetriebe gehören in der Mitteklasse offenbar schon fast zum guten Ton. Ab der oberen Mittelklasse können insbesondere Ledersitze und Bi-Xenon-Scheinwerfer, aber auch ein Navigationssystem beim Wiederverkaufswert ins Gewicht fallen. In jedem Fall empfiehlt es sich, das Preis-Leistungs-Verhältnis der Ausstattungsextras abzuwägen sowie die Kundenvorteile und Kosten für Optionspakete zu begutachten. Ein Navi zum Preis von 2.000 Euro einbauen zu lassen ergibt z. B. wenig Sinn, sofern ein Gerät aus dem Zubehör nur einen Bruchteil kostet. Bei Vollausstattungen ist hinsichtlich einer Defektanfälligkeit Vorsicht geboten. Wenn der Fahrer sämtlichen "Schnickschnack" austauschen muss bzw. letzterer beim Wiederverkauf Mängel aufweist, kann sich der zunächst augenscheinliche Ausstattungsvorteil ins Gegenteil, also in Abschreckung, umkehren. Der Trend der Schiebedächer scheint übrigens auszulaufen. Hingegen nimmt die Nachfrage nach Bordcomputern und Standheizungen offenbar zu.

Alles in allem erschweren sich verändernde Kundenansprüche genaue Prognosen hinsichtlich der Wertstabilität des Pkws. Dennoch können sich zwei – nicht allgemeingültige! –Faustregeln als nützlich erweisen: Zum einen bieten die höheren Fahrzeugklassen eine Orientierung für Käufer kleinerer oder mittelgroßer Wagen. Was sich dort als gängiges Komfortelement etabliert hat, könnte schon bald in den unteren Fahrzeugsegmenten interessant werden. Zum zweiten sollten die Kosten für Sonderausstattungen maximal 20 Prozent des Neuwagenpreises betragen.

Autos, bei denen eine luxuriöse Ausstattung zur Markenstrategie gehört, z. B. bei Mini oder Porsche, gehören im Übrigen zu den etwas stabileren Geldanlagen.

Motor: keine leichte Entscheidung


Ob ein besonders kleiner und sparsamer Motor oder ein Aggregat mit hoher Hubraumklasse den Wiederverkaufswert steigern kann – bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Die einen sprechen davon, dass mehr PS am Ende mehr Geld bringt, andere raten dazu im Motorenprogramm die goldene Mitte zu wählen. Fahrzeugtester kommen des Öfteren zu dem Ergebnis, dass die Einstiegsmotorisierung gerade in den kleineren Segmenten keine gute Wahl ist. Dieselmotoren scheinen nur noch in den höheren Segmenten einen geldwerten Vorteil zu bringen.

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Motor  macht es mit Sicherheit Sinn, die Effizienz des Antriebs zu berücksichtigen. Geringer Kraftstoffverbrauch, das oben bereits erwähnte, häufig verbrauchsgünstige Automatikgetriebe, die grüne Umweltplakette, Partikelfilter und Start&Stop-Systeme könnten künftig einen wesentlichen Vorteil auf dem Gebrauchtwagenmarkt bringen –nicht nur wegen steigender Spritpreise, sondern auch wegen der anstehenden EU6-Norm, des wachsenden Umweltbewusstseins und der zunehmenden Umweltzonen in den deutschen Städten. Tuning wirkt sich laut allgemein vorherrschender Meinung eher negativ auf den Wiederverkaufswert des Autos aus. Gründe hierfür könnten Sicherheits- und rechtliche Bedenken sein.

Farbe: Knallgelb oder klassisch in Schwarz?


mini countryman 2014 hinten
Grün oder schwarz?


In puncto Karosseriefarbe erhalten nach wie vor die Klassiker Schwarz, Grau und Silber einen großen Zuspruch. Bei weißen, braunen, blauen und roten Pkws gibt es eine mittelmäßig starke Nachfrage. Exotische Autofarben wie Gold, Gelb, Orange oder Bronze entsprechen hingegen nicht dem allgemeinen Geschmack. Dass eine auffallende Lackierung aber in Ausnahmefällen auch den Reiz eines Wagens ausmachen kann, soll an dieser Stelle nicht abgestritten werden. Im Innenraum machen in der Regel auch eher die Farbklassiker das Rennen.

Der richtige Zeitpunkt für den Verkauf


"Der richtige Zeitpunkt" für den Verkauf eines Autos lässt sich nur schwer bestimmen. Allerdings ist zu bedenken, dass ein Neuwagen in den ersten beiden Jahren den höchsten Wertverlust erleidet. Argumente für einen Verkauf nach zwei bis drei Jahren könnten sein, dass die Gewährleistung des Herstellers abläuft, bisher in der Regel kaum Reparaturkosten angefallen sind und das Kaufinteresse an einem jungen Auto hoch sein dürfte. Die Fahrleistung sollte im Idealfall unter 15.000 Kilometer pro Jahr liegen. Wer seinen Pkw länger nutzen muss oder will, für den ist ein Verkaufszeitpunkt nach sechs bis acht Jahren bzw. rund 100.000 Kilometern empfehlenswert. Erste Schäden lassen sich noch leicht beheben, künftigen teureren Inspektionen können die Autohalter so aus dem Weg gehen. Häufig lassen sich in diesem Zustand noch zirka 25 bis 30 Prozent des Neuwagenpreises erzielen. In Internetforen ist oft die Angabe zu finden, dass ein Verkauf von Gebrauchtwagen in den kalten Jahreszeiten einfacher ist. Um herauszufinden, ob an dieser Behauptung etwas Wahres dran ist, lohnt es sich beispielsweise den Internet-Automarkt zu beobachten. Im Übrigen können Mitglieder der großen deutschen Automobilclubs wie dem ADAC oder dem ACE sich meist kostenlos zum Zustand ihres Fahrzeugs beraten lassen. Alternativ bieten zahlreiche Anbieter im Internet eine individuelle Autobewertung an – teilweise zu kleinen Preisen.

Aufbereitung und Pflege


Eine regelmäßige und nachhaltige Pflege des Pkw sowie eine Aufbereitung von Karosserie, Technik und Interieur vor dem Verkauf können zu einer erheblichen Steigerung des Wiederverkaufswerts beitragen. Zu empfehlen sind u. a. regelmäßige Wartung, Ölwechsel und Behebung von Schäden, ein gepflegtes Scheckheft mit allen Inspektionen und die Dokumentation sämtlicher Aufwertungen. Der Innenraum ist sauber zu halten. Wertgutachten, z. B. vom TÜV oder der Dekra, können einen vertrauenswürdigen Eindruck begünstigen, kosten allerdings 80 bis 100 Euro. Zur unmittelbaren Verkaufsvorbereitung sollten eine umfassende Fahrzeugwäsche (innen und außen), Lackpolitur und -versiegelung sowie eine Beseitigung von Kratzern und Dellen gehören. Die Optik spielt eine entscheidende Rolle beim Verkauf. In den Gelben Seiten oder im Internet (www.bfa-net.de, www.bvif.de) lassen sich professionelle Anbieter für eine Fahrzeugaufbereitung finden. Investitionen von 200 bis 400 Euro können sich je nach Fahrzeug später deutlich auszahlen.




Autor: Fabian Thomas

 
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