Sicherer unterwegs im Straßenverkehr

17.02.2016 Alle Ratgeber

Allen technischen Hilfsmitteln zum Trotz weisen die deutschen Unfallstatistiken einen Negativtrend aus. Die Gesamtzahl der Unfälle im Straßenverkehr aus dem Vorjahr übertrifft aller Wahrscheinlichkeit nach die Zahlen von 2014, ebenso sind mehr Verkehrstote zu erwarten. Die Hauptursachen liegen zwar vielfach in mangelnder Übersicht, Fahrlässigkeit  oder schierer Rücksichtslosigkeit, allerdings lauern die potenziellen Fehlerquellen in ganz verschiedenen Bereichen. Einige Maßnahmen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr setzen noch nicht einmal das bisweilen notwendige Umdenken beim Fahrverhalten voraus.

Umdenken bei der Fahrweise erforderlich


Die endgültigen Zahlen des Jahres 2015 liegen noch nicht vor, die bereits ausgewerteten Daten des Statistischen Bundesamtes für den Zeitraum von Januar bis Oktober 2015 ergeben aber eine vorläufige Gesamtzahl von 2.055.247 Verkehrsunfällen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2014 lag dieser Wert bei 2.406.685. Laut Infografik von FinanceScout24 hatten PKW dabei einen Anteil von 81 Prozent an allen Unfällen mit Personenschäden.

Sicherer unterwegs im Straßenverkehr Abbildung 1 Unfall
Die Unfallstatistiken für 2015 zeigen einen Anstieg der Zahl der Verkehrsunfälle im Vergleich zu den Vorjahren.


Die steigenden Zahlen müssen in Anbetracht der ausgeprägten Sorge deutscher Autofahrer vor einem Unfall paradox erscheinen. Dass die deutschen Straßen hinsichtlich der Anzahl der Verkehrstoten noch unter dem europäischen Durchschnitt liegen, kann daher bestenfalls ein schwacher Trost sein. Fahrlehrer und Buchautor Jörg Holtmann befürchtet im Interview auf zukünftig mehr Todesopfer in Folge von Verkehrsunfällen, wenn die Fahrweise der Deutschen nicht generell weniger aggressiv wird.

Als problematisch erachtet Holtmann aber auch den Ausbildungsgang deutscher Fahrlehrer, der besonders im pädagogischen Bereich Defizite aufweise und somit kaum geeignet sei, zu einer Verhaltensänderung von Autofahrern beizutragen. Andererseits ist das rücksichtslose Fahren auch ein gesellschaftliches Problem, das eine entsprechend breite – auch mediale – Aufarbeitung verlangt, um für die nachfolgend beispielhaft aufgeführten Risikofaktoren zu sensibilisieren.

Überholmanöver auf Landstraßen


Die meisten Autofahrer aus ländlichen Regionen werden die Situation kennen: Sobald die Ernte- oder Weinlesezeit beginnt, muss mit einem erhöhten Aufkommen an Traktoren auf den Landstraßen gerechnet werden. Die schaffen zum Verdruss schnellerer Verkehrsteilnehmer kaum die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten, die außerorts gelten, und laden folgende Fahrzeugführer geradezu zum Überholen ein.

Sicherer unterwegs im Straßenverkehr Abbildung 2 Heutransport
Die Versuchung ist groß, das Risiko noch größer: Überholmanöver auf Landstraßen gehören zu den häufigsten Unfallursachen.


Überholmanöver auf eben solchen Landstraßen werden zwar regelmäßig durchgeführt, aber ebenso regelmäßig führen sie zu Unfällen mit schwerwiegenden Folgen. In manchen Fällen ist dies wenigstens teilweise auf die Straßen selbst zurückzuführen, wenn beispielsweise nicht für eine ausreichende Fahrbahnebenheit oder Entwässerung gesorgt ist oder Fahrbahnmarkierungen mangelhaft sind bzw. ganz fehlen.

Die Hauptverantwortung für ein Überholmanöver ohne Sicherheitsgefährdung liegt dennoch immer bei den Fahrern selbst. Der ADAC betont daher in seinem Fachinformationsflyer, wie wichtig es dabei vor allem ist, schon vor dem eigentlichen Überholen die nötige Übersicht über die Situation zu bekommen – angefangen beim Beachten etwaiger Überholverbote bis hin zur empfohlenen Sichtweite. Besonders Kurven oder größere Fahrzeuge behindern die Übersicht und sollten zum Anlass genommen werden, auf ein Überholmanöver zu verzichten, bis sich eine bessere Möglichkeit findet. Grundsätzlich ist schon die kleinste Unsicherheit Grund genug, den Überholvorgang zu unterlassen – insbesondere weil der dadurch erzielte Zeitgewinn hauptsächlich gefühlt ist.

Der richtige Sitz


Die Fortbewegung mit dem PKW ist gleichbedeutend mit Komfort. Sie bedeutet Flexibilität, Unabhängigkeit und verspricht ein einfaches Erreichen der gewünschten Ziele. Gerade bei längeren Fahrten ist natürlich ein ebensolcher Komfort auch beim Sitzen hinter dem Lenkrad gewünscht. Problematisch ist hierbei jedoch, dass die subjektiv bequemste Sitzposition nicht unbedingt die für die Fahrsicherheit günstigste ist.

Die richtige Haltung im Fahrersitz ist zwar eine der ersten Lektionen in der Fahrschulzeit, das heißt aber noch lange nicht, dass die dort gelernten Vorgaben auch weiterhin eingehalten werden. Stattdessen variieren die Sitzpositionen oft genug zwischen zu lässig und zu verkrampft, wie die drei gängigsten Stereotype zeigen:

  • Der Klammerer sitzt in zu geringem Abstand zum Lenkrad, wodurch ein schnelles Ausweichen beeinträchtigt wird. Zu den schneller auftretenden Ermüdungserscheinungen kommt zudem die Verletzungsgefahr durch die Nähe zum Airbag.

  • Der Oberlässige hat im Gegensatz zum Klammerer zu viel Abstand zum Lenkrad, die Liegeposition des Sitzes nimmt dem Rücken einen Großteil des Lehnenkontakts. Außerdem ist die Entfernung von der Kopfstütze bei einem Aufprall gefährlich groß.

  • Der Einhandfahrer bringt sich und andere Verkehrsteilnehmer durch die fahrlässige Nutzung des Lenkrads mit nur einer Hand – wahlweise am oberen oder unteren Lenkradkranz – in Gefahr. Im Falle eines Ausweichmanövers ist ein exaktes Steuern des Fahrzeugs in dieser Position nicht machbar.


Entspannter und sicherer lässt es sich fahren, wenn Sitzfläche, Rückenlehne, Kopfstütze und Lenkrad optimal an den Fahrer angepasst werden – natürlich unter Berücksichtigung der optimalen Handlungsmöglichkeiten in Gefahrensituationen. So sollte die Sitzhöhe eine gute Rundumsicht und einen ebenso guten Blick auf die Instrumente erlauben. Bei der Entfernung des Sitzes von den Pedalen gilt es auf die Beinarbeit zu achten: Die Knie sollten beim Durchtreten der Pedale nicht durchgestreckt sein.

Sicherer unterwegs im Straßenverkehr Abbildung 3 Best and worst positions for driving a car
Die oberlässige Sitzposition sorgt für eine zu große Entfernung vom Lenkrad und verringert so die Möglichkeiten zu schnellen Lenkmanövern.


Eine aufrechte Sitzposition wirkt möglicherweise weniger entspannend als das lässige Liegen in der Sitzschale, auf Dauer schont es den Rücken aber sehr viel mehr. Außerdem verkürzt sich so der Abstand der Kopfstütze. Die wiederum sollte, für den bestmöglichen Schutz bei einem Heckaufprall, bis maximal zur Kopfoberkante hochgestellt werden. Die Rückenlehne ist übrigens auch ein gutes Maß für den richtigen Abstand zum Lenkrad, denn selbst wenn das Handgelenk auf dem Lenkradkranz abgelegt wird, dürfen die Schultern den Kontakt zur Lehne nicht verlieren.

Selbstverständlich gibt es noch unzählige weitere Gefahrenherde im und um das Auto. Manche von ihnen, etwa Gefährdungen durch Glätte, von LKW fallende Eisstücke oder schlecht beladene PKW auf dem Weg in den Urlaub, treten nur saisonbedingt auf. Andere hingegen bestehen sehr viel häufiger. So sollten beispielsweise die Gefahren durch falsch eingestellte Scheinwerfer oder eine zu niedrige Sitzposition bei Nachtfahrten nicht unterschätzt werden. Am wichtigsten für einen sicheren Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern ist aber die Einsicht, nicht immer auf seinem Recht bestehen zu müssen. Mehr Rücksicht untereinander sorgt dann auch für ein deutlich entspannteres Fahren.

Im Falle eines (Un)Falles: Das richtige Verhalten bei einem Unfall


Auch bei aller Vorsicht lassen sich längst nicht alle Risiken beim Autofahren gänzlich ausschließen. Andere Verkehrsteilnehmer, das Wetter oder Wildtiere können manchmal ein unberechenbares Verhalten an den Tag legen. In anderen Situationen reicht schon eine kleine eigene Unachtsamkeit für einen Unfall.

Wichtig ist in so einem Fall das richtige Vorgehen, damit über den schon entstandenen Schaden hinaus nicht noch weitere hinzukommen. Dazu sollte, falls möglich, das Fahrzeug an einem sicheren Platz abgestellt werden, so dass der nachfolgende Verkehr nicht behindert wird. Danach wird die Warnblinkanlage eingeschaltet und die Warnweste angezogen. Bei der Sicherung der Unfallstelle gelten nach wie vor die Richtwerte, die schon in der Fahrschule vermittelt werden: Rund 50 Meter im Stadtverkehr, auf Landstraßen 100 Meter und auf Autobahnen etwa 200 Meter. Zur Absicherung zählt ebenfalls das Entfernen von möglichen Verletzten aus dem Gefahrenbereich, am besten hinter eine Leitplanke, sofern diese vorhanden ist.

Sicherer unterwegs im Straßenverkehr Abbildung 4 Problems on the road Warndreieck unfall panne
Sicherheit ist auch nach einem Unfall oberstes Gebot, deshalb muss zunächst die Unfallstelle richtig gesichert werden.


Anschließend sollte, je nach Schwere des Unfalls, der Notruf verständigt werden. Ist es zu Verletzten gekommen, ist der Rettungsdienst unter der Nummer 112 zu informieren, die zuständige Leitstelle leitet die Meldung wiederum an Polizei und eventuell die Feuerwehr weiter. Hat es nur Sachschäden, aber keine verletzten Personen gegeben, reicht der Anruf bei der Polizei. Bei geringfügigeren Schäden kann diese ebenfalls hinzugezogen werden, ein Muss ist das aber nicht. Eine Inanspruchnahme polizeilicher Hilfe empfiehlt sich aber doch, wenn Uneinigkeit in der Schuldfrage herrscht oder sich der Unfallgegner unerlaubt vom Ort des Geschehens entfernt.

Sind die Behörden verständigt, muss umgehend Erste Hilfe geleistet werden, denn das Unterlassen dieser Hilfeleistung ist – anders als mögliche gesundheitliche Folgen aufgrund der Versorgung – strafbar. Übrigens zählen nicht nur die stabile Seitenlage oder Wiederbelebungsmaßnahmen zu den Maßnahmen der Ersten Hilfe, sondern auch das Kümmern um unverletzte, aber womöglich verwirrte oder geschockte Beteiligte.

Erst danach können Beweise für den Unfallhergang gesammelt werden. Hilfreich und mit den allgegenwärtigen Smartphones problemlos zu fertigen sind Fotos, also Übersichtsbilder des Unfallorts und Detailfotos der Schäden. Ebenfalls nützlich kann das Anfertigen eines Unfallberichts sein, in dem alle wichtigen Informationen zu Fahrzeugen und Fahrzeughaltern notiert werden können. Zu diesem Zweck gibt es im Netz verschiedene Vordrucke, im Zweifel reichen aber Stift und Notizblock.

Dieser Schritt sollte im Übrigen selbst dann gemacht werden, wenn sich an Bord eines der Fahrzeuge eine sogenannte Dashcam befindet: Eine gesetzliche Regelung bezüglich solcher Autokameras fehlt in Deutschland bislang. Die gemachten Aufnahmen können daher zwar von manchen Gerichten als Mittel der Wahrheitsfindung anerkannt werden, sie müssen aber nicht so verfahren. Im Zweifelsfall sollten sich Unfallbeteiligte also nicht auf die Technik, sondern besser auf die Hilfe durch die Polizei verlassen.

Abbildungen:
Abbildung 1: fotolia.com © Monkey Business
Abbildung 2: fotolia.com © alpineva
Abbildung 3: fotolia.com © Jehsomwang
Abbildung 4: fotolia.com © chalabala




Autor: Fabian Thomas

 
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