Sicher in den Winterurlaub - Alles was man wissen muss

16.12.2015 Alle Ratgeber

Winterurlaub, das heißt rasante Abfahrten, Skilanglauf durch tief verschneite Wälder und Spaß beim Après-Ski.

ADAC Tipps für den Winter 2015 recht_schnee_

Winterurlaub heißt aber auch: schwierige, wechselhafte Fahrbahnverhältnisse. Geht die Reise ins Ausland, kommen noch wenig vertraute Straßen und Verkehrsordnungen hinzu. Die Autofahrt in den Winterurlaub sollte man also nicht auf die leichte Schulter nehmen: denn sie birgt Gefahren. Wer allerdings die nötigen Vorkehrungen trifft und einige zentrale Ratschläge beachtet, der fährt sicher in den Winterurlaub - und kommt heil wieder zurück.

Die Sicherheit beginnt beim Fahrzeug


Zunächst und zuvorderst muss das Fahrzeug wintertauglich gemacht werden - egal ob kurzer Kleinwagen, langer Kombi oder allradgetriebenes SUV. Alle Fahrkünste und Fahrassistenten helfen wenig, wenn es an der grundlegenden Winterausrüstung mangelt. Vor allem drei Aspekte des Fahrzeugs verdienen besondere Aufmerksamkeit:
  • die Bereifung
  • die Batterie
  • der Frostschutz

Winterbereifung ist elementar:


ADAC Winterreifentest 2015 WinterreifenDas A und O für eine sichere und sorglose Anreise in den Winterurlaubsort ist zweifelsohne die richtige Bereifung. Der passende Reifen für den Winter ist - wenig überraschend - der Winterreifen. Das gilt ungeachtet der jeweiligen Bestimmungen zur Winterreifenpflicht; und ungeachtet der aktuellen Fahrbahnbedingungen. Denn Winterreifen - erkenntlich am Schneeflocken-Symbol und der Abkürzung "M+S" an der Flanke - haften nicht nur bei Eis und Schnee besser, sondern auch bei regenasser Straße und niedrigen Temperaturen. Neben einem speziellen Profil verfügen sie über eine eigens auf kalte Temperaturen abgestimmte Gummimischung. Es macht deshalb Sinn, die Winterreifen schon früh, im Oktober oder November, aufzuziehen; und nicht erst zwei Tage vor dem Winterurlaub.



Wie groß der Sicherheitsgewinn durch Winterreifen ist, zeigt ein Vergleich der Bremswege: Auf schneebedeckter Straße kommt ein Auto mit guten Winterreifen aus Tempo 50 nach ca. 35 Metern zum Stehen - selbst mit nagelneuen Sommerreifen rollt es hingegen noch rund 10 Meter weiter.

Kurzum: Winterreifen bieten bei Matsch und Schnee signifikant mehr Haftung - und damit mehr Sicherheit. Ganzjahresreifen sind in den meisten Ländern zwar ein zulässiger Kompromiss: allerdings offerieren sie weder im Sommer noch im Winter optimalen Halt. den richtigen Winterreifen zu finden ist nicht so leicht, doch der ADAC testet jedes Jahr die neusten Reifenmodelle.

Reifendruck & Profiltiefe für den Winterreifen


Damit der Winterreifen seine volle Wirkung entfaltet, muss er jedoch genügend Profil auf der Lauffläche haben. Die Autofahrerclubs und Reifenhersteller empfehlen eine Mindestprofiltiefe von 4 Millimetern. In einigen Ländern ist sie gesetzlich vorgeschrieben (mindestens 4mm in Österreich und Tschechien, 3,5 mm in Frankreich und 3 mm in Schweden, Finnland bzw. Slowenien).

ADAC Reifendruck kontrolle 2015In puncto Reifendruck sollte man bedenken, dass sich ein schwer beladenes Auto anders verhält als ein Leeres. Deshalb empfiehlt es sich mit dem für den Winterurlaub vollgepackten Auto noch an der Tankstelle zu halten und den Reifendruck anzupassen. Gleiches gilt für die Einstellung der Scheinwerfer: Auch sie sollte man nachjustieren, um entgegenkommende Fahrzeuge nicht zu blenden.

Kühler- bzw. Scheiben-Frostschutz & Batterie:


Eigentlich müsste er vor jeder längeren Ausfahrt anstehen: der Fahrzeugcheck. Gerade vor der Fahrt in den Winterurlaub sollte man ihn aber auf jeden Fall durchführen. Für die Sicherheit besonders wichtig ist ein ausreichender Frostschutz (mindestens -25 °C) der Flüssigkeiten im Kühler und der Scheibenwaschanlagen. Ein Frostschutzmittel zum Nachfüllen sollte zudem immer mit im Gepäck sein; ansonsten droht in der Gischt aus Salzwasser und Schmutz der Blindflug.

ADAC Winter Kratzen

Ein weiterer Fixpunkt im Fahrzeugcheck vor dem Winterurlaub ist die Kontrolle der Autobatterie, besonders wenn sie schon einige Jahre alt ist. Je niedriger die Temperaturen, desto eher gibt eine alte, schwächere Batterie den Geist auf.

Wer lediglich das Auto im Winter pflegen will und für eine technische Überprüfungen nicht selbst Hand anlegen will, der kann ein Winter-Service in einer Werkstätte machen lassen. Es beinhaltet in der Regel:
  • Batterieprüfung
  • Kontrolle des Frostschutz und der Wischerblätter
  • Überprüfung der Dichtungen
  • Checken der Scheinwerfer und der Beleuchtung

Scheibenwischer dienen auch der Sicherheit. Sieht man schlecht, kann das ernste Folgen haben. Aus diesem Grund macht der ADAC jedes Jahr den Scheibenwischertest und prüft auch, ob die Wischblätter auch im Winterbetrieb ordentlich arbeiten.

Praktische Sicherheitstipps: vom Fahren und Packen


Die Sicherheit des Fahrzeugs ist das eine. Aber auch der Fahrer muss sich den winterlichen Verhältnissen anpassen, um sicher in den Winterurlaub zu gelangen. Das gilt insbesondere fürs Bremsen. Ein Beispiel: Fahren Sie über eine schattige Brücke oder durch eine dunkle Schneise im Wald, können Sie schon ab plus 4 Grad auf vereinzelte Glatteisflächen stoßen. In Bezug auf Bremsweg macht das einen enormen Unterschied: Aus 50 km/h steht das Auto im Trockenen nach 10-15 Metern; bei Nässe verlängert sich der Bremsweg auf 20, bei Schnee auf 35 - und bei Eis sogar auf bis zu 100 Meter.

Gefühl und Weitblick ist bei der Fahrt in den Winterurlaub also gefragt.

Falsch geladenes Gepäck hat schwere Folgen


ADAC Tipps für den Winter 2015 recht_vollgeladenEin oft vernachlässigtes Sicherheitsthema ist das sorgfältige Verstauen des Gepäcks. Gerade die sperrigen und scharfen Wintersportgeräte sollten unbedingt gesichert, festgezurrt werden. Grundsätzlich gilt: Schwere und sperrige Gepäckstücke nach unten. Außerdem ist es klug, das Gewicht möglichst gleichmäßig zu verteilt, um das Fahrverhalten des Autos nicht negativ zu beeinflussen.

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Ist für Ski, Schlitten und Stöcke im Heck kein Platz, schaffen Dachboxen und Dachträger der Stauraumnot Abhilfe. Sie können jedoch nur geringe Lasten tragen, im Bereich von 50 bis 80 Kilo. Die Maximallasten der Träger/Boxen und die maximale Dachlast des Autos finden Sie in den jeweiligen Bedienungsanleitungen. Aber Achtung: Teuer heißt nicht gleich Qualität! Im ADAC Dachboxentest viel die zweit teuerste beim bremsen vom Dach.



Apropos Gepäck. Es gibt einige Utensilien, die bei der Fahrt in den Winterurlaub im Auto nicht fehlen sollten:
  • Eiskratzer - um die Scheiben vom Eis zu befreien
  • Handbesen - um das Auto vom Schnee zu befreien
  • Handschuhe - damit einem dabei nicht die Finger abfrieren
  • Starthilfekabel - falls der Motor streikt
  • Schneeketten - trotz Winterreifen ratsam (Stichwort temporäre Schneekettenpflicht)
  • Schaufel/Klappspaten - hilfreich bei Schneeverwehungen
  • Wolldecke/warme Kleidung/Thermosflasche/genügend Sprit - um es auch im Stau warm zu haben
  • Abschleppseil - falls jemand hängen geblieben ist
  • Verbandkasten, Warndreieck und Warnweste (letztere ist in Österreich und Italien Vorschrift)

Sicher in den Winterurlaub - rechtliche Aspekte


Rechtlich ist bei der Fahrt in den Winterurlaub vor allem die Winterreifenpflicht zu beachten. Missachtungen können hier zu teils empfindlichen Geldstrafen führen; im Falle eines Unfalls besteht die Gefahr, dass die Kasko-Versicherung aufgrund grober Fahrlässigkeit die Zahlung verweigert bzw. die Leistung kürzt.

Land Rover Range Rover Sport 2015 winter seeIn Deutschland gibt es keine generelle Winterreifenpflicht. Die Straßenverkehrsordnung schreibt aber vor (§ 2 Abs. 3a), dass bei winterlichen Straßenverhältnissen - Glatteis, Schneematsch, etc. - nur mit Ganzjahres- oder Winterreifen gefahren werden darf. Wer bei solchen Verhältnissen dennoch mit Sommerreifen unterwegs ist, kassiert - wenn er ertappt wird - einen Punkt in der Verkehrssünderkartei und muss 40 Euro Strafe zahlen.

In den meisten Nachbarländern gibt es ebenfalls keine generelle, sondern eine situative Winterreifenpflicht - so z.B. in der Schweiz, in Frankreich, in Österreich, Norwegen, Schweden, Tschechien und Dänemark. Ausnahmen sind:
  • ADAC Winter Reifen SchneeItalien: Im Großraum Bozen und auf der Brennerautobahn (A 22) gilt bis Affi zwischen 15. November und 15. April eine generelle Winterreifenpflicht; gleichfalls im Aostatal, dort aber zwischen 15. Oktober und 15. April.
  • Finnland: Auch hier gilt zwischen 1. Dezember und 28./29. Februar eine generelle Winterreifenpflicht.

Am besten ist, Sie erkundigen sich frühzeitig bei Ihrem Autofahrerclub über die genauen Regelungen im Urlaubsland.

Fazit zum Wintervergnügen


Letztlich sind es nur wenige Dinge, die für eine sichere Fahrt in den Winterurlaub beachtet werden müssen - vom Aufziehen der Winterreifen übers richtige Packen bis hin zum Überprüfen der Autobatterie. Man sollte Vernunft walten lassen und nicht in die typischen Autofahrer-Irrtümer bei Eis und Schnee machen. Derart vorgesorgt, bepackt und ausgerüstet steht dem ungestörten Urlaubsvergnügen dann nichts mehr im Wege.




Autor: Fabian Thomas

 
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