Fahrzeugbau im Video: Wie entsteht ein Auto?

28.10.2016 Alle Ratgeber

Jahr für Jahr präsentieren die Automobilhersteller auf Automobilmessen in aller Welt neue Fahrzeugmodelle. Aber wie entsteht ein Auto eigentlich?



Wie baut man ein Auto?


auto_herstellung_roboter_vw_2016Hinter jedem Pkw steckt jahrelange Entwicklungsarbeit. Roboter und Menschen agieren während der Herstellung von Fahrzeugen zunehmend Hand in Hand. Es gilt nicht nur schwere Karosserieteile zu formen und zu bewegen, sondern auch Präzisionsarbeit zu leisten. Bei einer Markteinführung heißt es: Das Modell xy geht in Serie. Warum der Begriff Serienproduktion bei der heutigen Autoherstellung allerdings irreführend sein kann, erfahren Sie weiter unten im Text sowie in den Videos von VW.

Alles beginnt mit einer Zeichnung des Modells


Am Anfang jeder Neueinführung steht ein leeres Blatt Papier, auf dem Designer die Entwürfe für den Pkw skizzieren. Mit Hilfe eines Tonmodells stellt der Produzent die Optik des Wagens nach. Alle für den Automobilbau vorgesehenen Materialien und Prozesse werden vorab simuliert und geprüft. Danach durchläuft das Modell folgende Schritte:
  1. Das Presswerk
  2. Die Lackiererei
  3. Die Montage
  4. Roboter in der Fertigung
  5. Handarbeit in der Fertigung


Das Presswerk


Sind die Tests abgeschlossen und steht das Design des Automodells fest, geht es an die Herstellung der Presswerkzeuge für den Karosseriebau. Die Presswerkzeuge erinnern an überdimensionale Gussformen. Jedes Presswerkzeug besteht aus zwei Hälften und wiegt oft mehrere Tonnen. Roboter fräsen die erforderlichen Strukturen in die Formen. Mitarbeiter des Kfz-Werkes übernehmen den Feinschliff.

Wenn die Werkzeuge eine Reihe von Probepressungen erfolgreich überstanden haben, wandern sie in die Presshalle. Um die erforderlichen Karosseriebauteile zu produzieren, wird die Presse jeweils mit den speziell angefertigten Presswerkzeugen bestückt. Das Stahlblech als Basismaterial für den Karosseriebau kommt direkt aus dem Stahlwerk. Mit tonnenschwerem Druck presst die Maschine die Bleche in die richtigen Formen. Ein Pressvorgang umfasst häufig mehrere Schritte. Roboterarme transportieren einzelne Bleche von Werkzeug zu Werkzeug durch die Presse, damit am Ende das gewünschte Design entsteht.

Während die Abläufe im Presswerk einer klassischen Serienproduktion entsprechen, ist bereits der Karosseriebau an die individuellen Wünsche von Kunden angepasst. Die einzelnen Bleche aus dem Stahlwerk werden im nächsten Produktionsschritt zu größeren Blöcken zusammengeschweißt. Aufgrund des enormen Aufwands übernehmen diese Arbeit weitestgehend Roboter.

Die Lackiererei


Natürlich soll das Auto das Werk nicht als graues Bündel verlassen. Bevor Roboterarme in der Lackiererei mit feinem Sprühnebel die Farben auf die Karosserie aufgetragen, wird diese von Schmutzpartikel und Fettrückständen befreit. Bei jedem Fahrzeug besteht die endgültige Farbe aus einer Schicht von mehreren Lacken. Lackspezialisten übernehmen die finalen Arbeitsschritte und eine abschließende optische Kontrolle. In der Lackiererei erfolgt übrigens jede Färbung individuell, d. h. nach Kundenwunsch. So kann es vorkommen, dass Farbwechsel aufeinanderfolgen, z. B. von schwarzem zu blauem zu rotem Fahrzeug.

Die Montage


Bei der Fahrzeugmontage fließen alle Vorarbeiten, die zugelieferten Teile und die erforderlichen Materialen zu einer Einheit zusammen. Hochspezialisierte Mitarbeiter setzen mit Hilfe ergonomischer Hebemaschinen, auch Manipulatoren genannt, das Auto endgültig zusammen. Entscheidend bei der Montage ist die Berücksichtigung der Kundenbestellungen und somit eine einwandfrei funktionierende Logistik. Jedes Bauteil muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um die Effizienz der Produktion zu gewährleisten und Lagerkosten zu minimieren. Damit Mitarbeiter Kundenaufträge korrekt bearbeiten können, erhält jede Rohkarosserie eine Erkennungsmarke. Aus dieser lassen sich alle Informationen über die gewünschten Ausstattungsmerkmale wie Motorvariante und Assistenzsysteme auslesen. Nach einer finalen Kontrolle im Lichttunnel ist das neue Auto bereit für seinen Weg zum Händler beziehungsweise zum künftigen Neuwagen-Besitzer.

Roboter in der Fertigung


Auch wenn der Mensch in der Automobilbranche nach wie vor als das feinste Messinstrument gilt, sind Roboter aus der Kfz-Produktion nicht mehr wegzudenken. Die tonnenschweren Bleche im Presswerk zu bewegen und anschließend zusammenzuschweißen, erfordert  beispielsweise einen gewaltigen Kraftaufwand, der von den Maschinen leichter und vor allem schneller zu bewältigen ist als von Hand.

Dank des technischen Fortschritts sind Roboter nicht nur zu immer feinerer Arbeit in der Lage. Auch die Sicherheitssensorik der Automaten wird zunehmend sensibler. Waren die Roboter bei ihrer Arbeit aus Sicherheitsgründen bislang weitestgehend von den Werksmitarbeitern abgeschirmt, arbeiten Mensch und Roboter heute in ersten Pilotprojekten bereits stärker Hand in Hand.

Handarbeit in der Fertigung


Wie in den Videos deutlich wird, spielt trotz aller technischen Möglichkeiten die Handarbeit in der Automobilfertigung eine zentrale Rolle.  Sowohl beim Entwurf als auch bei der Auswahl der Materialien, beim Nähen von Cockpitelementen in der Produktion, bei der Montage und bei der Endkontrolle des Wagens sind ein geschultes Auge und Fingerspitzengefühl gefordert. Der Mensch liefert die Idee und sorgt im Einklang mit Maschinen sowie anderen Hilfsmitteln dafür, dass ein neues Auto entsteht.




Autor: Fabian Thomas

 
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