Dienstwagen / Firmenauto: Ausstattung, Steuern, Modelle uvm.

10.06.2015 Alle Ratgeber

audi a4 avant tdi ultra 2015Ein Dienstwagen ist ein Fahrzeug, das dem Arbeitnehmer vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird - in erster Linie zur beruflichen Nutzung, in den meisten Fällen aber auch zum Gebrauch im privaten Bereich. Häufig wird der Dienstwagen auch als Firmenauto bezeichnet.

Beide Begriffe sind dabei im Grunde gleichbedeutend, sie rücken lediglich andere Aspekte in den Mittelpunkt. Die Bezeichnung Firmenauto ist häufiger in der Umgangssprache zu finden und betont den Blickwinkel des Unternehmens. Der Begriff Dienstwagen ist hingegen förmlicher und rückt die Perspektive des Arbeitnehmers bzw. Dienstwagenfahrers stärker in den Fokus.

Diese grundlegenden Definitionen lassen allerdings zentrale Fragen offen. Welche Fahrzeugmodelle gehören zu den klassischen Dienstwagen? Wie verändert sich der Markt, die Modellhierarchie und welche Sonderformen gibt es? Und wie soll ein Firmenauto eigentlich ausgestattet sein?

Darüber hinaus existieren noch die beiden großen Themenblöcke der privaten Versteuerung und der Erwerbsform - so etwa die Frage, wie das Firmenauto versteuert und abgeschrieben werden kann und welche Vorteile ein Leasing bietet.

Viele offene Fragen also, auf die wir in diesem Ratgeber eine Antwort geben wollen.

1) Der Dienstwagen - die klassischen Formen


Dienstwagen stehen nach wie vor äußerst hoch im Kurs, sowohl bei Arbeitnehmern wie bei Arbeitgebern. Für den Arbeitnehmer sind sie ein weithin sichtbares Zeichen, dass er es in seinem Job zu etwas gebracht hat. Für den Arbeitgeber bzw. das Unternehmen ist das Firmenauto zum einen eine gute Möglichkeit, die interne Hierarchie darzustellen und die Mitarbeiter zu motivieren. Zum anderen kann der Fuhrpark das Selbstverständnis der Firma nach außen tragen, wobei hier der Grundsatz gilt: Das bestehende Image soll mit Dienstwagen lediglich unterstrichen werden.

Angesichts dieser Eigenschaften verwundert es nicht, dass das Firmenauto in Deutschland eine so große Verbreitung findet. Am häufigsten anzutreffen ist es bei Niederlassungs- und Vertriebsleitern, bei Mitgliedern der Geschäftsführung und beim mittleren bis oberen Management. Auch selbstständige Unternehmer lassen ihr Auto gerne auf die Firma zu, weil es steuerrechtlich günstiger ist (vgl. Punkt 4 und 5).

Blickt man auf die Branchen, zeigt sich, dass Dienstwagen im Vertriebsbereich äußerst beliebt sind. Aber auch Arbeitnehmer aus den Bereichen IT, Technik und Personalmanagement greifen häufig zu einem Firmenauto. Im Finanzwesen sind Dienstwagen indes seltener, dafür aber größer und teurer. Der Status ist hier besonders wichtig. Ähnlich verhält es sich im Rechtswesen, im Bereich der Politik und nicht zuletzt in der Autobranche selbst.

Die Reihe der klassischen Dienstwagen ist angesichts dieses weiten Einsatzgebietes ebenso groß wie vielfältig. Grundsätzlich zählen zu den "Klassikern" aber die Fahrzeuge der Kompaktklasse und die der einfachen und gehobenen Mittelklasse. Bei der Karosserieform dominerten lange Zeit Limousine und Kombi, wie im privaten Bereich gehören mittlerweile aber auch die SUVs zu den klassischen Firmenwagen.

A) Klassische Dienstwagen - beliebte Marken


Als beliebtester Hersteller bei den Firmenautos gilt nach wie vor Volkswagen. Aber auch Audi, Opel, Ford, BMW und Mercedes sind hier stark vertreten; und Volvo hat - wie eh und je - im Kreis der prestigeträchtigen Firmenwagen einen hohen Stellenwert. Andere Importmarken tun sich hingegen weiterhin schwer, im Markt Fuß zu fassen. Durch den stetig steigenden Kostendruck sind aber immer öfter auch Modelle von Seat, Renault oder Hyundai in den Dienstwagenflotten zu finden.

B) Klassische Firmenautos - beliebte Modelle


In den Dienstwagenmodellen spiegelt sich die Firmenhierarchie bzw. die Gehaltsklasse am deutlichsten wider. Die gehobene Mittelklasse bleibt bspw. vor allem der Chefetage vorbehalten, wobei Vorstände und Direktoren im Mittel um die 70.000 Euro für ihr Firmenauto ausgeben. Die beliebtesten Modelle sind hier der 5er BMW, der Audi A6 und die Mercedes E-Klasse.

Fachkräfte und Bereichsleiter fahren indessen meist Autos aus der Kompakt- bzw. Mittelklasse; die durchschnittlichen Anschaffungskosten liegen im Bereich von 40.000 Euro. Die erfolgreichsten Modelle sind hier der VW Passat, der VW Golf, der Audi A4 bzw. S4, die Mercedes C-Klasse, der 1er und der 3er BMW, der Mazda 6; und unter den SUVs der Opel Mokka, der Porsche Macan, der VW Tiguan und der Volvo XC60.

Allerdings lassen sich im Markt der Firmenwagen gerade in den letzten Jahren auch neue Entwicklungen beobachten - getrieben nicht zuletzt vom Bestreben nach weiteren Kostensenkungen. Denn nach den Personalkosten schlägt der Fuhrpark in vielen Firmen heute bereits als zweitgrößter Kostenfaktor zu Buche. Die Devise lautet deshalb sparen - Doch wie?

Besonders gut eignen sich dazu Modelle, die nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt günstig sind. Was zählt sind nämlich letztlich die Gesamtkosten eines Modells bzw. des gesamten Fuhrparks, also die so genannten Total Costs of Ownership (TCO).

2) Sonderformen von Dienstwagen


Der neue VW eco up! hintenIdeal erfüllen lassen sich diese Voraussetzungen mit kleinen und effizienten Fahrzeugen, sprich Kleinwagen und Minis (Kleinstwagen). Sie erfreuen sich deshalb auch besonders hoher Zuwachsraten. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen tun sich hier große Einsparungspotentiale auf. Kleine Firmen erweisen sich diesbezüglich auch oft als Vorreiter, nicht zuletzt beim Umstieg auf besonders effiziente Dienstwagen mit E- oder Hybrid-Antrieb.

Die kleinen Dienstwagen werden dabei vor allem im Pflegedienstwesen oder von Lieferservice-Dienstleistern eingesetzt. Das Besondere ist hier: die Firmenautos werden vornehmlich beruflich und nur selten privat genutzt - eine Art der Dienstwagen-Nutzung, die steuerrechtlich ihre Besonderheiten hat (siehe Punkte 4 und 5).

Beliebte Dienstwagen-Modelle in diesem Segment: VW up, Hyundai i10, Fiat 500, Toyota Aygo, Seat Mii, Opel Adam, Renault Twingo oder Smart Fortwo.

3) Der Dienstwagen und die Frage der Ausstattung


Dienstwagen werden in der Tendenz also eher kleiner. Um die kleineren Modelle für die Arbeitnehmer attraktiv zu gestalten, können Fuhrparkmanager und Unternehmer die Firmenautos dabei hochwertiger ausstatten. Aber: Die Extras wollen klug gewählt sein, denn viele Sonderausstattungen verlieren rasch an Wert. Andere wiederum steigern nicht nur den Wiederverkaufswert, sie sind auch aus finanzieller und sicherheitsspezifischer Sicht sehr sinnvoll.

Einige Ausstattungsmerkmale gehören dabei - auch unter dem Gesichtspunkt des Wiederverkaufswerts - in jedes Firmenauto, so etwa ein Radio und eine Klimaanlage. Je nach Klasse können hier noch weitere Basisextras dazukommen. Bei Mittelklassewagen etwa ist ein Navi fast ein Muss, bei Kleinwagen hingegen verursacht dieses Extra eher unnötige Kosten.

Als Richtschnur für die Ausstattung von Dienstwagen empfehlen die Experten folgenden Grundsatz: Sinnvoll sind Sonderausstattungen, die in der nächst höheren Klasse zur Werksausstattung gehören. Allerdings ist dabei stets der Wertverfall im Auge zu behalten.

Besonderes Augenmerk verdienen bei Firmenautos die folgenden drei Ausstattungsbereiche:

  • Extras für die Sicherheit & Schadensminimierung

  • Extras aus dem Bereich Konnektivität, Multimedia, usw. (Sprichwort mobiles Büro)

  • Extras für höheren Komfort & mehr Gesundheit


Sicherheit & Schadensvermeidung


Parkschäden sind auch bei einem Firmenauto die häufigste Schadensquelle. Einpark-Warnsysteme helfen dabei aber nur bedingt, wie die Analysen der Unfallforscher zeigen. Einen höheren Nutzen versprechen Systeme, die aktiv beim Einparken mithelfen.

Elektronische Assistenzsysteme zählen ebenfalls zu den sinnvollen Extras. Das gilt in besonderem Maß für den Notbremsassistent, weil er in großer Zahl Unfälle und Schäden verhindern hilft. Das lohnt sich für den Dienstwagenlenker, aber auch für den Dienstwagen-Eigentümer.

Konnektivität & mobiles Büro


Ohne Internet geht heute nichts mehr, vor allem wenn das Firmenauto als mobiles Büro genutzt werden soll. Ein WLAN-Hotspot, Bluetooth und entsprechende Anschlüsse für externe Geräte sowie der Abschluss einer Datenflatrate sind deshalb insbesondere bei Dienstwagen der gehobenen Führungsschicht Standard. Gerade bei jungen Arbeitnehmern erhöht eine gute Infotainment-Ausstattung überdies die Attraktivität eines Modells.

Gesundheit & Komfort


Der Gesundheitsaspekt ist nicht zuletzt bei Dienstwagen für Außendienstmitarbeiter, die jährlich 50.000 Kilometer und mehr abspulen, wichtig. Investitionen in hochwertige Sitze machen sich hier etwa für beide Seiten rasch bezahlt.

4) Der Dienstwagen - steuerliche Vorteile für den Arbeitnehmer


Neben den Gesichtspunkten Image und Technik sind Dienstwagen auch aus rechtlicher, vor allem aus steuerrechtlicher Sicht höchst interessant: sowohl für den Arbeitnehmer wie für den Arbeitgeber.

Die steuerrechtliche Einschätzung des Dienstwagens hängt dabei wesentlich von der Nutzungsform ab. Für den Arbeitnehmer sind hier vor allem zwei Formen zu unterscheiden:

A) Private Nutzung des Dienstwagens


In den meisten Fällen wird der Dienstwagen auch privat genutzt. Der Fahrer bzw. der Arbeitnehmer muss das Firmenauto dann in der Einkommensteuererklärung berücksichtigen

Einkommenssteuer - geldwerter Vorteil


Nutzen Arbeitnehmer den Dienstwagen privat, ist diese Nutzung nach § 6 des Einkommensteuergesetzes als so genannter geldwerter Vorteil zu versteuern. Das gilt auch für Selbstständige, die den aufs eigene Unternehmen laufenden Firmenwagen privat nutzen. Der Arbeitnehmer hat dabei die Wahl zwischen zwei Varianten, die unterschiedliche Kosten zu Grunde legen:

  • Eine monatliche Pauschale in Höhe von 1% des Brutto-Listenpreises (d.h. der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers zum Datum der Erstzulassung). Wenn mit dem Firmenauto auch der Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz zurückgelegt wird, kommen für jeden Kilometer dieser Wegstrecke monatlich noch weitere 0,03% des Listenpreises hinzu.

  • Die tatsächlichen Kosten, die mit Hilfe eines Fahrtenbuchs ermittelt werden.


Die aufwendige Führung eines Fahrtenbuchs kann sich für den Arbeitnehmer dann lohnen, wenn der Dienstwagen privat nur selten genutzt wird, d.h. wenn die Kosten im Monat weniger als 1% des Listenpreises ausmachen. Das trifft vor allem auf Dienstwagenfahrer zu, die privat noch einen eigenen PKW besitzen.

Ein Tipp: Wer sich nicht sicher ist, welche der beiden Versteuerungsmöglichkeiten die günstigere ist, der kann sich zunächst für die Ein-Prozent-Option entscheiden und gleichzeitig ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch führen. Ergibt sich am Ende ein Steuervorteil, können bei der Einkommensteuererklärung dann trotzdem die tatsächlichen Kosten angesetzt werden.

B) Nutzung des eigenen Autos als Dienstwagen


Verwendet der Arbeitnehmer hingegen den eigenen PKW als Dienstwagen, kann er sich pro gefahrenen Kilometer 30 Cent vom Arbeitgeber lohnsteuerfrei erstatten lassen. Bekommt er vom diesem nicht den vollen Betrag, darf er bei der Steuererklärung die Differenz als Werbungskosten geltend machen.

5) Das Firmenauto - finanzielle und steuerrechtliche Vorteile für den Arbeitgeber


Vorteile bietet das Firmenauto aber auch für den Arbeitgeber, sprich den Eigentümer. Da der Dienstwagen einkommensteuerrechtlich als geldwerter Vorteil betrachtet wird, reduziert er faktisch das Bruttogehalt des Arbeitnehmers - und damit für den Arbeitgeber auch die abzuführenden Lohnnebenkosten.

Darüber hinaus ergeben sich noch weitere steuerrechtliche Vorteile, wobei hier wieder zwei Fälle der Dienstwagennutzung zu unterscheiden sind:

A) Private Nutzung des Firmenautos


Umsatzsteuer - unentgeltliche Wertabgabe

Nutzt der Arbeitnehmer das Firmenauto auch privat, kann der Arbeitgeber die Kosten in der Umsatzsteuererklärung als eine unentgeltliche Wertabgabe (§3) ansetzen. Das ist auf drei unterschiedliche Arten möglich:

  • In Form einer monatlichen Pauschale in Höhe von 1% des Brutto-Listenpreises (diese Option ist aber nur offen, wenn auch der Arbeitnehmer den Dienstwagen auf diese Art und Weise versteuert).

  • Nach den mit einem Fahrtenbuch ermittelten Kosten

  • Gemäß der Kosten einer sachgemäßen Schätzung (vereinfachtes Fahrtenbuch, etc.)


B) Nicht privat genutzte Firmenwagen


Dieser Fall ist zwar seltener, er hat aber auch seine Vorzüge. Der Arbeitgeber muss auf der einen Seite zwar sämtliche Betriebskosten und Unterhaltskosten tragen. Er kann auf der anderen Seite diese Kosten aber als Betriebsausgaben steuerlich absetzen.

Finanzielle Vorteile des Leasings


Für den Arbeitgeber können sich durch die Anschaffung eines Firmenautos zudem noch weitere finanzielle Vorteile ergeben. Beim Neuwagenkauf erhält dieser im Regelfall nicht nur die Umsatzsteuer zurück, er kann die Anschaffungs- und Unterhaltskosten auch als Betriebsausgaben abschreiben.

Aus finanzieller Sicht noch interessanter ist in vielen Fällen aber das Leasing. Zu den bedeutendsten Vorteilen zählen etwa:

  • Ein regelmäßiger Fahrzeugwechsel: Die Firmenautos sind damit stets auf dem neusten Stand der Technik.

  • Geringe Belastung der Liquidität: Das Leasing belastet die Liquidität des Unternehmens in der Regel deutlich weniger als eine Neuanschaffung, obwohl die monatlichen Fixkosten steigen. Ein Kauf über einen Kredit verschlechtert zudem die Eigenkapitalquote.

  • Hohe Flexibilität: sowohl finanziell aufgrund hoher Rabatte und anpassungsfähiger Leasingraten; als auch technisch aufgrund des regelmäßigen Fahrzeugwechsels.

  • Vermindertes Wertverlustrisiko

  • Steuervorteile: bspw. sind die Leasingraten und die laufenden Betriebskosten steuerlich abzugsfähig; Einnahmen-Überschuss-Rechner dürfen die Abschlagszahlung (Anzahlungssumme) im Jahr der Zahlung als Betriebsausgabe voll absetzen (bilanzierende Unternehmer müssen sie auf die ganze Leasinglaufzeit verteilen); außerdem besteht die Möglichkeit der Restsummenablöse (Vorsteuerabzug und Abschreibungen).





Autor: Fabian Thomas

 
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