Bei diesen Mängeln haben Sie Anspruch auf Wiedergutmachung vom Händler

17.10.2014 Alle Ratgeber

Neuwagenkäufer haben gegenüber Gebrauchtwagenkäufern in der Regel eine deutlich höhere Gewissheit, ein vollständig intaktes Fahrzeug nach ihren Vorstellungen zu erhalten. Dennoch besteht beim Neuwagenkauf das Restrisiko, einem sogenannten „Montagsauto“ aufzusitzen, das herstellungsbedingte Qualitätsmängel aufweist.

Was ist ein Mangel?

tanken spritverbrauchEin Mangel an einem Neuwagen liegt grundsätzlich dann vor, wenn dieser technisch, optisch oder in puncto Ausstattung nicht den vertraglich vereinbarten Lieferungsbedingungen entspricht bzw. nicht als fabrikneu einzustufen ist. Wenn das bestellte Auto beispielsweise in Schwarz statt des gewünschten Blautons lackiert ist, so kann der Käufer dies als Sachmangel beim Verkäufer geltend machen. Auch nicht eingehaltene Werbeaussagen seitens des Händlers gelten als Mängel. Ist der neue Pkw zum Beispiel als Dreiliter-Auto deklariert worden, verbraucht aber tatsächlich deutlich mehr Kraftstoff, ist von einem Mangel auszugehen. Ferner sind unzureichende oder missverständliche Bedienungsanleitungen und daraus folgende Montagefehler als Sachmängel einzustufen.

Unterschied Mangel vs. Verschleiß

Treten unmittelbar bei der Fahrzeugübergabe Probleme auf bzw. sind optische Fehler zu erkennen, so ist die Lage in der Regel eindeutig. Wenn es aber darum geht, mehrere Wochen oder Monate nach dem Neuwagenkauf Gewährleistungsansprüche beim Händler durchzusetzen, kommt es nicht selten zu Diskussionen, ob es sich bei Abnutzungserscheinungen um einen Mangel oder um normalen Verschleiß handelt, der angesichts des Alters und der Laufleistung des betroffenen Kfz-Typs üblich ist. Bricht beispielsweise eine Bremsscheibe nach etwa acht Monaten oder tritt plötzlich ein Schaden am Motor auf, so sind diese Probleme höchstwahrscheinlich auf einen Mangel zurückzuführen, der bereits beim Erhalt des Wagens vorlag. Weist die Bremsscheibe hingegen nach 25.000 Kilometern Laufleistung einen Defekt auf, ist von einem Verschleiß auszugehen.

Nicht bei allen Defekten ist die Abgrenzung von Mangel und Verschleiß eindeutig. Da der Verkäufer aber nur im Falle von Sachmängeln zur Haftung und folglich zu Ersatz- oder Reparaturleistungen verpflichtet ist, sollte der Käufer im Streitfall möglichst ein Kfz-Sachverständiger zur abschließenden Entscheidungsfindung hinzuziehen. Bei Schäden am Fahrzeug, die innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Kauf auftreten, gilt die Beweislastumkehr, da der Gesetzgeber davon ausgeht, dass bereits bei Auslieferung ein Mangel bestand. Dies bedeutet, dass der Verkäufer – insofern er einem Ersatz, einer Reparatur oder einer Preisminderung, also einer Mängelgewährleistung, nicht zustimmt – das Gegenteil beweisen muss. Treten Defekte am Neuwagen jedoch erstmals nach sechs Monaten oder später auf, so liegt die Beweispflicht beim Käufer.

Wie lange kann der Käufer Sachmängel geltend machen?

Nach der Übergabe des Neuwagens beträgt die Verjährungsfrist für die gesetzliche Sachmangelhaftung (mindestens) zwei Jahre. Liegt in dieser Zeit ein bestätigter Sachmangel vor, hat der Käufer Anspruch auf die Beseitigung des Mangels bzw. eine Ersatzlieferung in Form eines mangelfreien Fahrzeugs. Hierbei gilt das Prinzip der Verhältnismäßigkeit: Der Verkäufer kann die gewählte Art der Nacherfüllung verweigern, wenn dadurch unverhältnismäßig hohe Kosten entstehen.

Ist die Nacherfüllung durch den Verkäufer nicht zufriedenstellend bzw. hält dieser eine vereinbarte Frist nicht ein, hat der Käufer die Möglichkeit, vom Kaufvertrag zurückzutreten oder eine Preisminderung zu verlangen. Im Falle des Rücktritts muss der Käufer jedoch in Abhängigkeit von der bisherigen Nutzungsdauer des Neuwagens damit rechnen, dass er einen Vorteilsausgleich zahlen muss und somit nicht die gesamten Anschaffungskosten zurückerhält.




Autor: Fabian Thomas

 
Sie sind hier: Startseite > Tests & News > Ratgeber > Bei diesen Mängeln haben Sie Anspruch auf Wiedergutmachung vom Händler
nach oben