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Fahrbericht: Opel Astra

Von Frank Mertens
Der Opel Astra sieht dynamisch aus
Foto: Opel

Die Frage darf nicht fehlen. Und sie kommt immer dann auf, wenn Opel eine neue Generation des Astra vorstellt. Nun kann man wieder fragen: Wird er es diesmal schaffen? Wird der neue Astra endlich den leidigen Ruf des ewigen Zweiten hinter dem Klassenprimus VW Golf ablegen können?

Großer Abstand zum Golf

Nein, er wird es wohl auch diesmal nicht schaffen. Dafür ist der Abstand zum Segmentführer in der Kompaktklasse einfach zu groß. Die aktuellen September-Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) belegen es: Da kommt die alte Generation des Astra in den ersten neun Monaten des Jahres auf 84.221 Zulassungen, der VW Golf hingegen auf 275.433. Das sind Abstände, die man nicht einfach so leicht umkehren kann. Das weiß man auch in Rüsselsheim. "Da ist leider kein Hebel, den man über Nacht umlegen kann und schon ist man am Golf vorbeigezogen. Wir denken aber, dass wir nun dichter an den Golf herankommen werden", sagt Opel-Vertriebschef Michael Klaus.

Griffig: Das Lenkrad im neuen Astra
Foto: Opel

Damit dürfte Klaus recht behalten. Denn der neue Opel Astra bringt alles mit, um erfolgreich auf Aufholjagd zu gehen. Er sieht mit seinem ansprechenden coupéhaften Auftritt nicht nur moderner als sein Wolfsburger Widersacher aus, sondern wartet zum Marktstart am ersten Dezember-Wochenende auch mit einem Kampfpreis von 15.900 Euro auf. Der VW Golf kostet als Viertürer gut 1515 Euro mehr. Das ist viel Geld und dürfte manchen Golf-Interessenten zum Nachdenken bringen.

Preis und Aussehen reichen nicht

Die Verbundlenker-Hinterachse mit Wattgestänge im Opel Astra
Foto: Opel

Doch Preis und Aussehen allein wären zu wenig, um den Abstand mit dem Wolfsburger Überflieger zu verkürzen. Dessen war man sich bei Opel bewusst und hat versucht, mit dem neuen Astra auch neue Maßstäbe bei Qualität und Technik in der Kompaktklasse zu setzen, wie Fahrzeugentwickler Peter König sagt. Dazu gehört unter anderem der Einsatz einer Verkehrsschilder erkennenden Frontkamera (Opel-Eye), ein Spurhalteassistent und die jüngste Generation des Adaptiven Fahrlichts. Das sind nette Gimmicks, aber so richtig spannend wird es erst beim neuen mechatronischen Fahrwerk. Es kommt zwar weiter eine klassische Verbundlenker-Hinterachse zum Einsatz, doch beim neuen Astra wurde sie mit einem so genannten Wattgestänge kombiniert. Dadurch soll die Querstabilität in den Kurven erhöht und noch bessere Handlingeigenschaften erzielt werden - und so ist es auch. Nie zuvor war ein Astra so souverän unterwegs wie dieser.

Spagat gelungen

Die Seitenlinie des neuen Astra
Foto: Opel

Der Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort ist den Entwicklern hervorragend gelungen. Zu den guten Fahreigenschaften des 4,42 Meter langen Astras tragen auch der um sieben Zentimeter auf nun 2,69 Meter vergrößerte Radstand und die vorn um 5,6 Zentimeter (1,54 Meter) und hinten um sieben Zentimeter (1,59 Meter verbreiterte Spur bei.

Bequem, die Sitze im neuen Opel Astra
Foto: Opel

Wem das bereits serienmäßig gute Fahrwerk des Astra nicht reicht, der kann sich auch die Chassiskontrolle Flexride bestellen. Für einen Aufpreis von 930 Euro kann der Fahrer das Fahrwerk in drei Modi (Normal, Sport und Tour) durch einfaches Drücken des Knopfes in der Mittelkonsole auf seine persönlichen Fahrbedürfnisse einstellen. Entscheidet man sich beispielsweise für den Sportmodus, ist das Ansprechverhalten des Motor dynamischer und die Lenkung direkter. Im Tour-Modus kann man dann entspannt dahingleiten.

Suche nach Sportlichkeit

An der Mittelkonsole des Opel Astra ässt sich der Sportmodus einstellen
Foto: Opel

Das Herz eines Autos sind aber nach wie die Motoren - und hier bietet Opel zwar einen neu entwickelten 1.4 Liter-Turbobenziner mit 140 PS mit einem Verbrauch von nur 5,9 Litern auf 100 Kilometer, doch ein Benzindirekteinspritzer ist nach wie vor ebenso wenig zu bekommen, wie ein Start-Stopp-System. Es sei aber in der Planung, heißt es.

Draufsicht auf den neuen Opel Astra
Foto: Opel

Bei den Selbstzündern sind vier Motoren im Angebot, von uns gefahren wurde der 1.7 CDTI mit 125 PS (22.990 Euro), der durchaus vernehmlich seiner Arbeit nachgeht. Es ist keine schlechte Motorisierung, keine Frage. Doch mit der Dynamik des Fahrwerks kann er nicht wirklich Schritt halten, dafür wirkt er phasenweise doch leicht überfordert, wenn man von ihm etwas mehr Sportlichkeit abverlangt. Das lässt sich auch an den 11,5 Sekunden ablesen, die er bis Tempo 100 vergehen lässt un die gefühlt noch länger erscheinen. Doch dafür begnügt er sich auch mit einem Kombiverbrauch von 4,7 Liter, was einen dann wieder versöhnlich stimmt. Der Innenraum im Astra orientiert sich übrigens voll und ganz am Opel Insignia -keine schlechte Wahl. Denn bereits die Wertigkeit des Insignias verdient sich Bestnoten. Und so fühlt man sich auch gleich beim Platznehmen wohl in diesem neuen Astra. Das trifft trotz der coupéhaften Dachlinie auch auf die Passagiere im Fond zu, die über zu wenig Kopf- und Kniefreiheit nicht zu klagen brauchen.

Das Heck des Astra
Foto: Opel

Nun wird es spannend, wie die Kunden ab dem ersten Dezemberwochenende reagieren. Dann nämlich wird der neue Astra erstmals bei den Händlern stehen. Der VW Golf wird dann zwar nicht in Angst und Schrecken verfallen müssen, aber mit dem Opel Astra erwächst ihm eine ernstzunehmende Alternative für alle die Kunden, die auch Wert auf ein progressives Design stehen.


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