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Fahrbericht: Opel Corsa

Von Frank Mertens
Der neue Opel Corsa
Foto: Werk

Opel-Markenchef Alain Visser zeigt sich zufrieden. Dabei ist der neue Corsa noch gar nicht auf dem Markt. Doch das ändert nichts an der guten Laune des Managers. "Die Resonanz auf den Corsa ist so positiv, dass wir unsere Absatzerwartungen für dieses Jahr bereits nach oben verändert haben", sagte Visser Autonews24 bei der Fahrpräsentation des Corsa in Dresden.

Hohe Absatzerwartungen

Vom Corsa will der Rüsselsheimer Autobauer noch in diesem Jahr europaweit 75.000 Einheiten absetzen, davon allein 16. bis 17.000 Stück in Deutschland. Dabei wird der Kleinwagen auf dem heimischen Markt erst am 7. Oktober eingeführt. Für Opel ist der Corsa angesichts dieser Zahlen nicht ein Allerweltsmodell, sondern mit ihm soll kräftig Volumen gemacht werden. Schließlich konnte das Unternehmen von den Vorgängern seit 1982 insgesamt 9,4 Millionen Exemplare absetzen. Im kommenden Jahr, so hofft Visser, soll sich der Corsa in Europa mindestens 375.000 Mal verkaufen. Damit will man im Kleinwagensegment die Führungsrolle vom VW Polo übernehmen. Dafür wurde der neue Corsa auch ausgesprochen aggressiv gepreist. Das Basismodell, der 1.0 Twinport Ecotec mit 44 kW/60 PS, kostet 10.990 Euro. Damit liegt man 500 Euro unter dem Preis eines VW Polo. "Wir bewegen uns bei den Kleinwagen in einem ausgesprochen preissensiblen Segment, wo 500 Euro sehr viel ausmachen", sagt Visser.

ESP nicht Serie

Das Cockpit des Opel Corsa mit der schwarzen Mittelkonsole
Foto: Werk

Damit ein solcher Preis jedoch angeboten werden kann, wurde auf die serienmäßige Ausstattung des Corsa mit ESP verzichtet. Ein Umstand, der nur schwer verständlich ist: ESP gehört serienmäßig in jedes Auto. Kunden, die das Stabilitätssystem haben wollen, müssen dafür 350 Euro Aufpreis zahlen. Einzig im 1.7 CDTI ist es Serie. Doch das Fehlen des ESP ist auch schon das einzige, was es nachhaltig an der neuen Schöpfung der Rüsselsheimer zu kritisieren gibt. Gut, es gibt kleine Details, die stören: Beispielsweise die untere Befestigung des Sicherheitsgurtes. Sie führt, ist man erst einmal angeschnallt, über den Drehknopf für die Verstellung der Rückenlehne. Das ist unschön. Ebenso unschön ist die in schwarzem Plastik gehaltene Mittelkonsole im von uns gefahrenem 1.7 CDTI (92 kW/125 PS) in der Ausstattungsvariante Cosmo. Die Optik wirkt durch diesen Kunststoff schlicht billig - und mag damit so gar nicht zum restlichen Erscheinungsbild des Corsa passen. Der wirkt durch sein ansprechendes Design nämlich alles andere als billig. Der Corsa ist vielmehr zu einem wahren Hingucker geworden: So haben modern gestylte Autos auszuschauen.

Wertige Materialien

Das FlexFix-System beim Corsa
Foto: Werk

Und das, was der Corsa durch sein äußeres Erscheinungsbild an Erwartungen weckt, hält er auch im Innenraum. Sieht man einmal von der gerade angesprochenen Optik der Mittelkonsole ab, wirken die verwendeten Materialien optisch als auch haptisch ausgesprochen wertig. Da Opel den Corsa in vier Ausstattungsvarianten (Corsa, Edition, Sport und Cosmo) anbietet, ist für jeden Geschmack etwas im Angebot. Die Instrumente im Corsa sind für den Fahrer gut ablesbar und ebenso gut bedienbar. Die Drehschalter für die Klimatisierung oder das Licht sind ansprechend von hinten beleuchtet. Eine prima Sache ist das von Opel angebotene Trägerystem FlexFix, mit dem sich die Rüsselsheimer als Trendsetter für innovative Lösungen präsentieren. Hinter FlexFix verbirgt sich ein unsichtbar im hinteren Stoßfänger untergebrachter Integralgepäckträger, auf dem mühelos zwei Fahrräder unterzubringen ist. Das System kostet 490 Euro - und liegt bei den Kunden im Trend. "Ursprünglich haben wir mit einer Ausstattungsquote von fünf Prozent gerechnet, jetzt sind wir schon bei zehn Prozent", erzählt Visser. FlexFix wird dann auch nicht auf den Corsa beschränkt bleiben, sondern im Anschluss auch beim Geländewagen Opel Antara angeboten, wie Visser sagt. Das FlexFix-System wiegt rund 20 Kilo und ist ohne Mühe in ein paar Minuten funktionsfähig. Abstriche am Kofferraumvolumen - es liegt zwischen 285 und 700 Liter (Oberkante Vordersitze) - entstehen durch FlexFix nicht. Dafür muss indes die Reserveradmulde weichen.

Fünf Motoren

Der 1.3 CDTI-Motor im Opel Corsa
Foto: Werk

Zum Marktstart im Oktober wird der 3,99 Meter lange Corsa als Drei- und Fünftürer mit drei Benzin- und zwei Dieselmotoren angeboten. Die bisherige Topmotorisierung ist der von uns gefahrene 1.7 CDTI mit 125 PS (ab 19.065 Euro) mit einem maximalen Drehmoment von 280 Nm, das bei 2300 Umdrehungen in der Minute anliegt. Mit dieser Motorisierung lässt sich der Corsa ausgesprochen sportlich bewegen. In 10,1 Sekunden beschleunigt er das 1160 Kilo schwere Auto von 0 auf 100 km/h. Die Spitzengeschwindigkeit wird mit 190 km/h angegeben. Der Verbrauch liegt laut Hersteller bei 4,8 Litern, bei den Testfahrten lag er jedoch um rund einen Liter höher. Dennoch ein akzeptabler Wert. Die Sechsgangschaltung verrichtet eine gute Arbeit. Die Lenkung ist ausgesprochen direkt ausgelegt, vermittelt eine gute Rückmeldung von der Straße. Da Opel sich auch als sportliche Marke versteht, gibt es den Corsa auch als Sportmodell. Es verfügt nicht nur über eine neu konzipierte Servolenkung, ein tiefergelegtes Fahrwerk, sondern unter anderem auch über eine kürzere Getriebeübersetzung. Wem das noch nicht reicht, der muss sich noch bis zum nächsten Jahr gedulden. Dann wird es den Corsa auch als OPC-Variante mit einem 180 PS starken Turbomotor geben. Mit dem Corsa haben die Rüsselsheimer ein Auto entwickelt, dass die besten Chancen besitzt, den Klassenprimus VW Polo Platz eins im Kleinwagen-Segment streitig zu machen.


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