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Fahrbericht: Land Rover Freelander

Von Thomas Flehmer
Der Land Rover Freelander 2
Foto: Land Rover

Prinz Charles wird gelegentlich in einem umgebauten Range Rover durch britische Straßen chauffiert, in denen er stehend aus dem Fond die Vasallen grüßen kann. Das Top-Model aus der englischen Schmiede mit den neuen Besitzern aus der ehemaligen britischen Kolonie Indien ist für den König das angemessene Fahrzeug. Acht Zylinder und eine noble Ausstattung müssen sein. Doch auch für die Prinzen Harry und William hat Land Rover ein königliches Angebot. Mit dem völlig überarbeiteten Freelander 2 TD4 HSE ist ein ebenso nobler wie agiler Kompakt-SUV das geeignete Fahrzeug für die jungen Vertreter des britischen Königshauses.

Eleganz statt Aggressivität

Vom Äußeren nähert sich die zweite Generation des 1997 erstmals auf dem Markt erschienenden Freelander stark den Top-Modellen an. Vom Discovery wurden Form und die glatten Flächen übernommen, das Kühlergesicht und die Kiemen an der Flanke stammen vom Range Rover Sport. Kombiniert mit dem 2360 Euro teuren Premium-Paket mit Front- und Heckstoßfänger in Wagenfarbe, Heckspoiler und 19 Zoll Leichtmetallfelgen strahlt der Freelander - anders als die Mitbewerber - Eleganz statt Aggressivität aus.

Verwirrendes Navi

Nobler Innenraum
Foto: Land Rover

Die Noblesse setzt sich im Innenraum fort. Gut konturierte Ledersitze für alle Größen sowie das hochwertige Interieur lassen einem die Zunge schnalzen. Die vielen Knöpfe auf der Mittelkonsole sind dagegen zunächst verwirrend und bedürfen der Gewöhnung, so auch die Bedienung des Navigationssystems. Hier müssen Prinzen wie König ein wenig herumexperimentieren, um den Weg zur richtigen Grafschaft zu finden. Dabei können auch die größer gewachsenen Mitfahrer im Fond die Strecke zur nächsten Audienz genießen. Von den 4,50 Metern Länge entfallen 2,66 auf den Radstand. Das Gepäck muss aber auf die Begleitfahrzeuge verteilt werden. Zwar gibt Land Rover das Volumen mit 755 Liter an, die bis auf 1870 Liter ausgeweitet werden können. doch die ebene Ladefläche bis zur Rückbank misst gerade einmal maximal 88 Zentimeter - bei einem Koffer wären es rund 80 Zentimeter. Zum Vergleich bietet ein Ford Escort Turnier glatte 100 Zentimeter Ladefläche maximal. Das Gepäck muss im Freelander also eher in die Höhe gestapelt werden und verdeckt damit die ansonsten optimale Rundumsicht.

Exzellentes Fahrwerk

Optimale Einstellung je nach Geländeform
Foto: Land Rover

Doch das wirklich Wichtige findet im Freelander knappe zwei Meter davor statt. Das in der Mittelkonsole integrierte Terrain Response System bereitet den Geländewagen auf den jeweiligen Untergrund vor, der per Drehknopf für die optimale Einstellung der Haldexkupplung sorgt, die für den Allradantrieb zuständig ist. Das Ergebnis ist ein ebenso optimales Vorankommen - egal ob auf Schnee und Eis, Sand oder Asphalt. Überhaupt gibt sich das Fahrwerk sehr majestätisch. Hier ist jederzeit der rechte Kontakt zum Untergrund gegeben, die sechs Gänge lassen sich einfach und knackig einlegen. Dass man mit dem Freelander nicht wie mit einem Porsche die Kurven nehmen kann ist klar. Trotzdem zeigt sich der rund zwei Tonnen schwere SUV in diesem Bereich deutlich agiler als der noch schwerere Range Rover.

Piepkonzert beim Einparken

Die Sensoren spielen verrückt
Foto: Land Rover

Auch dass der TD4 HSE lediglich über 112 kW/152 PS verfügt, ist reines Understatement. Die 400 Nm, die bei 2000 U/min anliegen, sorgen nach Überwindung des kleinen Turbolochs für einen zügigen Vortrieb. Innerhalb von 10,9 Sekunden wird der dreistellige Bereich erreicht, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 181 km/h. Und selbst bei hohen Geschwindigkeiten hält der immerhin 1,74 Meter hohe Freelander jovial die Spur. Etwas außerhalb der Spur ist der Unterschied zum angegebenen Spritverbrauch. Während Land Rover den kombinierten Verbrauch auf 7,5 Liter pro 100 Kilometer beziffert, waren es im Testzeitraum drei Liter mehr - bei normaler Fahrweise. Auch das Piepkonzert, dass im Innenraum ertönt, wenn der Freelander rückwärts eingeparkt wird und drumherum nicht viel Platz vorhanden ist, ist sehr ärgerlich. Das wird selbst die jungen Prinzen, die eher "Anarchy in the U.K." hören als "God Save the Queen" hören, stören.

Königlicher Preis

Noble Front
Foto: Land Rover

Richtig königlich ist der Preis des Freelanders. Während der Grundpreis bei 40.500 Euro für den Selbstzünder liegt, ist der von uns gefahrene Wagen mit Premium-Paket, DVD-System, Panoramaglasdach, integriertem Telefonssystem, beheizbaren Sitzen für Fahrer und Beifahrer, sowie beheizbarer Frontscheibe, Metallic-Lackierung und immerhin 130 Euro teuren Fußmatten schon 48.550 Euro wert. Während die erste Generation mangels Konkurrenz in den Anfangsjahren das Segment anführte, beschränkt sich wohl vor allem wegen der hohen Anfangssumme der Marktanteil auf 1,1 Prozent. Immerhin wollten in den ersten fünf Monaten des Jahres 2008 1035 Käufer den kleinen Prinzen ihr eigen nennen - 100 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.


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