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27.12.2011

Fahrbericht: Citroen C3

Von Thomas Flehmer
Lifestyle bei Citroen mit dem DS3
Foto: Citroen

Entscheidungen zu treffen ist nicht jedermanns Ding, viele tun sich schwer, zwischen Alternativen zu wählen. Diese Menschen sollten nicht unbedingt auf den neuen DS 3 scharf sein, sondern sich für den normalen C 3 von Citroen konzentrieren. Entscheidungsfreudige hingegen werden jubeln über die neue Baureihe der Franzosen, die sich damit das erste Mal auf das Lifestyle-Parkett wagen. Und - das sei vorweg genommen - die Premiere ist gelungen.

Kein Retro-Mobil

Angelehnt an die DS, die legendäre «Göttin» (auf französisch: Deesse) der fünfziger Jahre, steht nun die neue Baureihe im Scheinwerferlicht. Der Name ist aber auch die einzige Reminiszenz, die zudem eigentlich nicht gewollt war. Ansonsten sollen - im Gegensatz zu den direkten Konkurrenten Mini oder Fiat 500 - jegliche Retro-Gefühle ausgeschaltet werden. «Der DS 3 basiert zwar auf den Wurzeln der Marke, aber mit moderner Ausrichtung. Es kein Retro-Auto, sondern ein Anti-Retro-Mobil unter dem Motto 'Never look back'», sagt Produktmanager Jean Baptiste Thomas. Vorwärts gerichtet ist deshalb auch das Programm, das Citroen aufruft. Den Kleinwagen, der auf der technischen Basis des C3 steht, kann sich jeder so gestalten, wie er möchte. Das beginnt bei den insgesamt 38 Außenfarben, die ein- oder zweifarbig im Angebot stehen, zwischen derzeit vier verschiedenen Dachdekoren Urban Tribe, Zebra, Onde und Perle inklusive der gleich gestalteten Fußmatten kann ausgewählt werden. Diese speziellen Themenwelten werden von Zeit zu Zeit erweitert. «Wir wollen noch weitere Aufkleber entwerfen und einen Kollektions-Effekt erzeugen, mit neuen Motiven jedes Jahr, so wie in der Modebranche», sagt Christophe Poinlane, Spezialist für Farben und Werkstoffe. Im Innenraum gibt es verschieden farbige Armaturen-Einsätze sowie natürlich auch verschieden farbig gehaltene Sitze in Leder oder mit Stoffbezügen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, es gebe laut Thomas Hunderte von Kombinationsmöglichkeiten. Für manchen könnte die Wahl zur Qual werden, zugegeben einer schönen Qual.

Keine feststehende B-Säule

Ein Augenfänger ist die als B-Säule fungierende Haifischflosse
Foto: Citroen

Denn, egal in welcher Farbe, ist der Auftritt des DS 3 tres chique. Zwischen den 3,95 Metern von Stoßfänger zu Stoßfänger tritt eine geballte Kompaktheit auf. Die gedrungene Seitenlinie mit der Haifischflosse anstatt feststehender B-Säule hat Drive, die Frontpartie mit den beiden LED-Tagfahrlichtleisten an den Außenseiten neben den Nebelscheinwerfern ist sehr ausdrucksstark. Der Frontgrill, der die 156 Pferde unter der Motorhaube der Topmotorisierung THP 150 kühlen muss, ist dagegen etwas zu groß geraten. Der kompakte Auftritt wird unterstützt durch die nur ganz sanft abfallende Dachlinie hinter der B-Säule, die zugleich den hinten sitzenden Gästen genügend Kopffreiheit garantiert. Und auch im Innenraum setzt sich der gute Eindruck fort. Der bereits beschriebene Armaturen-Einsatz erinnert an den aus dem Fiat 500 und wirkt genauso wertig. Und auch die anderen Materialien sowie Instrumente und Bedienungselemente unterscheiden sich von der sonstigen Alltagskost. Die Sitze sind gut konturiert, aber etwas zu kurz ausgefallen.

Kleine Rennsemmel

Der Innenraum kann auch poppiger gestaltet werden
Foto: Citroen

Platznot ist ein Fremdwort und selbst hinten lässt es sich aushalten. Hinzu kommen 285 Liter Kofferraumvolumen, die das Gepäck für den Wochenend-Ausflug locker beherbergen können. Werden die Sitze umgeklappt, stehen fast 1000 Liter zur Verfügung, mehr als beim Mini oder Fiat 500. Doch nicht nur das Aussehen sorgt für Aufsehen. Die Topmotorisierung ist allein für den Einsatz in der Stadt übermotorisiert. Allerdings ist bei einem Sprintvermögen von 8,1 Sekunden von Null auf 100 km/h ein guter Platz beim Ampelstart garantiert. Und bei einer Höchstgeschwindigkeit von 214 km/h werden sich so manche Autofahrer auf der Autobahn die Augen reiben, wenn ein kleiner Rennzwerg auf der Überholspur vorbeisprintet.

Komfortable Ruhe

Komfortable Laufruhe
Foto: Citroen

Dabei vermittelt der DS 3 aber nicht das bei Mini spezifische Go-Kart-Gefühl, sportlich fühlt sich der Franzosen-Mini aber schon an. Das Fahrwerk ist sportlich und - im Gegensatz zum Mini - komfortabel zugleich. Die Lenkung ist sehr direkt und die sechs Gänge lassen sich gut einlegen. Zudem ist die Frontscheibe speziell und die Seitenscheiben extra dick gedämmt, sodass kaum Geräusche in den Innenraum hineindringen. «Verglichen mit dem, was Citroen in der Vergangenheit im Kleinwagenbereich gemacht hat», sagt Stephan Planchon, verantwortlicher Akkustikingenieur, «haben wir vom reinen Schalldruck her das Geräusch halbiert.» Drei bis fünf Dezibel wurden dabei herausgeholt.

Kuriose Preisstruktur beim Einstieg

Attraktives Tagfahrlicht
Foto: Citroen

6,7 Liter soll der DS 3 mit seinen 156 PS verbrauchen und dabei 155 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft entlassen. Ein Start-Stopp-System folgt zum Ende des Jahres. Drei Diesel und drei Benziner aus dem Konzernregal, die allesamt die Euro 5-Norm erfüllen, stehen zum Marktstart im März bereit. Dabei soll der HDi 90 FAP 99g nur 99 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, was einem Diesel-Verbrauch von 3,8 Litern auf 100 Kilometern entspricht. Dass es die Premiere in der neuen Baureihe - in den kommenden 24 Monaten folgen der DS 4 und der DS 5 - nicht zum Nulltarif gibt, ist klar. «Ein gewisser Aufpreis ist vorhanden, aber er ist erschwinglich», sagt Thomas. Bei 12.700 Euro beginnt der C3, allerdings mit einem 1.1 Liter großen Benziner, der in der DS-Baureihe nicht angeboten wird. Erster gemeinsamer Antrieb ist der VTi 95 mit fünf Gängen und 70 kW/95 PS. Kurios hier, dass der normale C3 bei 15.800 Euro startet, während der DS3 600 Euro weniger kostet.

Keine Qual der Wahl

Bei der Dachgestaltung gibt es die Qual der Wahl
Foto: Citroen

Das angepeilte Volumenmodell, der VTi 120 mit 88 kW/120 PS, beginnt als C3 bei 16.800 Euro, der Aufpreis des DS3 mit identischem Motor beträgt 700 Euro. Die Topmotorisierung THP 150, die beim normalen C3 nicht angeboten wird, startet bei 19.800 Euro. Rechnet man allerdings die ganzen Features hinzu, mit denen man den DS3 für den Laufsteg präpariert, sind 25.000 Euro schnell erreicht. Doch in diesen Sphären werden die Entscheidungen zumeist nicht selbst getroffen, sondern vom jeweiligen Inhalt des Geldbeutels. Die Qual der Wahl entfällt.


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